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Hessen Kommunen sehen Katzenkastrationspflicht in Hessen skeptisch
Mehr Hessen Kommunen sehen Katzenkastrationspflicht in Hessen skeptisch
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16:15 07.08.2015
Hessen debattiert derzeit über die verpflichtende Kastration von Katzen. Quelle: Boris Roessler/Archiv
Wiesbaden

Einige Kommunen fragten zwar nach der Handreichung des Landes, wie sie mit den streunenden Katzen umgehen sollen. Es gebe aber auch Angst vor Klagen. "Das ist aus meiner Sicht aber unberechtigt", betonte Martin. Das Problem dürfe nicht auf die Tierschutzverbände und Tierheime abgewälzt werden.

Nach Einschätzung des Landestierschutzverbandes gibt es in Hessen 400 000 bis 500 000 wilde oder halbwilde Katzen. Im Vergleich: Die Zahl der Hauskatzen wird bundesweit mit 11,8 Millionen Tieren in 2014 angegeben. Die streunenden Katzen in Hessen lebten vorwiegend am Rande der großen Städte, sagte Geschäftsführer Ralf Kurtze der dpa. Viele Tiere seien krank. Bilder von diesen Katzen würden die Tierschützer auch zu den Kommunen mitnehmen, wenn es um Maßnahmen gegen die unkontrollierte Vermehrung gehe. Viele Städte und Gemeinden würden sich aber weiter schwer damit tun, eine Kastrationspflicht einzuführen.

Durch eine Verordnung können die Kommunen im Land die Halter von freilaufenden Katzen verpflichten, ihre Tiere registrieren und kastrieren zu lassen. Rechtliche Grundlage ist Paragraf 13b im Tierschutzgesetz des Bundes. Die Landesregierung hat diese Verordnung den Städten und Gemeinden übertragen und damit freie Hand gegeben, in eigenen Satzungen die Kastration wildlebender Katzen vorzuschreiben.

Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) appellierte vor dem Weltkatzentag am Samstag an die Kommunen, die Verordnung umzusetzen und eine Kastrationspflicht einzuführen. In vielen Fällen landeten streunende Katzen in Tierheimen. Das habe einen großen personellen und finanziellen Aufwand zur Folge. Die Umsetzung der Verordnung würde auch zu einer Kostenentlastung der Kommunen beitragen, da diese erheblich an der Finanzierung der Tierheime beteiligt seien, sagte die Ministerin.

Der hessische Städtetag äußerte jedoch Bedenken gegen die rechtliche Grundlage für eine Kastrationspflicht. Nach Einschätzung des Geschäftsführenden Direktors Stephan Gieseler sind streunende Katzen sowieso kein Problem in ländlichen Regionen und mittelgroßen Städte. Handlungsbedarf sieht der Kommunale Spitzenverband lediglich in Hessens Ballungsräumen. In vorausgreifendem Gehorsam sollte ein Pflicht deshalb nicht eingeführt werden, sagte Gieseler der dpa.

Seine Kritik an der neuen Regelung erneuerte der Städte- und Gemeindebund. Der Kommunale Spitzenverband hätte es sich gewünscht, dass das Land eine einheitliche Lösung schafft. "So haben wir einen Flickenteppich", erklärte der Leitende Verwaltungsdirektor Johannes-Ulrich Pöhlker. Die Verbandsmitglieder seien über die Möglichkeit informiert worden, über eine sogenannte Gefahrenabwehrverordnung tätig zu werden. Es habe aber noch keine Rückmeldungen gegeben, ob das erfolgt sei.

Darmstadt hatte kürzlich als erste Stadt in Hessen eine Kastrationspflicht für Katzen eingeführt. Katzenhalter, die ihre Tiere ins Freie lassen, müssen diese von einem Tierarzt kastrieren und mittels Mikrochip oder Tätowierung kennzeichnen sowie registrieren lassen. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Geldbuße von bis zu 1000 Euro rechnen. Die Katzenschutzverordnung gilt aber nur für Tiere, die mindestens fünf Monate alt sind.

Die Landeshauptstadt Wiesbaden hatte ebenfalls diesen Schritt diskutiert. Da aber keine übermäßig hohe Population der Katzen festgestellt worden sei, gebe es keine Notwendigkeit dafür, erklärte die amtliche Tierärztin der Landeshauptstadt, Heike Stein, der dpa. "Wir sehen grundsätzlich keinen Bedarf an einer Kastrationspflicht."

Um die Zahl der Streuner zu verringern, haben das Land und der ehrenamtliche Tierschutz gemeinsam eine Initiative gestartet: Ein Katzen-Kastrationsmobil, das der Landestierschutzverband im vergangenen Jahr vorstellte, sei seit dem Start sechsmal im Einsatz gewesen, sagte Geschäftsführer Kurtze. Dabei seien durchschnittlich zehn Tiere behandelt worden. "Ich hätte mit mehr Einsätzen gerechnet", räumte Kurtze ein. Bis zum Ende des Jahres rechnet der Tierschützer mit bis zu vier weiteren Einsätzen.

In der rollenden Tierklinik können wildlebende Katzen und Kater operiert werden, die örtliche Tierschutzvereine gefangen haben. Einen symbolischen Betrag von 50 Euro müssen die Tierschutzverbände für den Einsatz des Mobils bezahlen. Die tatsächlichen Kosten für medizinisches Material und die Anfahrt würden mit rund 1000 Euro veranschlagt, sagte Kurtze. Die Differenz wird aus Mitteln des Landestierschutzverbandes bezahlt. Die Kosten für den umgebauten Kleinlastwagen hatten sich auf etwa 25 000 Euro belaufen.

dpa