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Hessen Henzler will Inklusion behutsam angehen - Opposition sieht Sabotage
Mehr Hessen Henzler will Inklusion behutsam angehen - Opposition sieht Sabotage
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17:33 28.03.2012
Inklusion: Kultusministerin fordert «Behutsamkeit». Foto: Arne Dedert/Archiv
Wiesbaden

Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) sagte im Landtag in Wiesbaden, der gemeinsame Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern müsse behutsam ungesetzt werden.

Deshalb halte das Land generell an den Förderschulen fest.

"Das Wohl des Kindes ist vorrangig zu berücksichtigen", zitierte die FDP-Politikerin aus der UN-Behindertenkonvention, deren Umsetzung sich alle Bundesländer zur Pflicht gemacht haben. Die Opposition aus Grünen, SPD und Linkspartei warf Henzler "Sabotage" vor. Die Inklusion sei durch eine bewusst chaotische Umsetzung an der Regelschule zum Scheitern verurteilt. "Diese Landesregierung will die Inklusion nicht", sagte der Grünen-Abgeordnete Mathias Wagner.

Die Kultusministerin verwies darauf, dass in Hessen 95,6 Prozent aller Kinder und Jugendlichen die Regelschule und nur 4,4 Prozent die Förderschule besuchten. Dies sei bundesweit ein Spitzenwert. Außerdem seien an den Regelschulen 1500 Förderschullehrer tätig, von denen sich 900 präventiv um Kinder mit Schwierigkeiten im Lernprozess kümmerten. Die Eltern behinderter Kinder müssten auch künftig eine Wahlfreiheit haben, ob sie ihr Kind in die Förder- oder Regelschule schickten.

Die Grünen hielten Henzler dagegen eine mangelnde Ausstattung der Regelschule bei der Inklusion vor. Wahlfreiheit sei zwar richtig. Aber die Eltern müssten auch ein Angebot haben, sagte Wagner. Die SPD-Abgeordnete Heike Habermann hielt der Kultusministerin ebenfalls vor, keine zusätzlichen Lehrer für die Inklusion zur Verfügung zu stellen. "Sie sabotieren den Auftrag der UN-Behinderkonvention", sagte sie. "Dauerhafte Parallelstrukturen" von Förder- und Regelschulen machten letztlich die Inklusion nur noch teurer.

Die Linke-Abgeordnete Barbara Cárdenas bezeichnete es als erfreulich, dass sich immer mehr Eltern gegen den von Henzler betriebenen "Boykott" der Inklusion mit Protesten und Demonstrationen wehrten. Für die Regierungsparteien betonten der CDU-Abgeordnete Günter Schork und Mario Döweling von der FDP, die Schule müsse die individuellen Begabungen aller Kinder berücksichtigen. Eine "Einheitsschule" werde behinderten Kindern nicht weiterhelfen.

Henzler veranschlagte die Übergangszeit bei der Inklusion in Hessen auf zehn bis 15 Jahre. Das Land will zunächst in zwei Modellvorhaben in Wiesbaden und im Kreis Offenbach prüfen, ob auf Förderschulen verzichtet werden kann.

dpa