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Harte Strafen nach Mord am „Schlachthof“

Urteile Harte Strafen nach Mord am „Schlachthof“

Am Abend des 19. November 2010 streiten sich zwei junge Männer in Wiesbaden nahe des Kulturzentrums Schlachthof um ein Mädchen, ein Dritter mischt sich ein.

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Lebenslange Haft für den 32-jährigen Haupttäter. Foto: Fredrik von Erichsen

Wiesbaden. Wenig später ist ein 18-Jähriger tot - gestorben an brutalen Schlägen und Tritten. Knapp 14 Monate später hat das Landgericht Wiesbaden am Montag den 32 Jahre alten Haupttäter wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Gegen den mitangeklagten 17-Jährigen verhängten die Richter eine Jugendstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten wegen Totschlags.

Die Jugendstrafkammer bezeichnete die Tat als sinnlos. Der Mitangeklagte - damals 16 Jahre alt - war in dem Treffpunkt von Jugendlichen mit dem späteren Opfer wegen eines Mädchens in Streit geraten. Beide waren alkoholisiert. Das spätere Opfer habe dem heute 17-Jährigen vorgeworfen, ihm die Freundin weggenommen zu haben. Dann kam es zu einer Rangelei, wie die Vorsitzende Richterin Ingeborg Bäumer-Kurandt in der Urteilsbegründung vortrug. Eskaliert sei das Ganze erst, als sich der 32-Jährige einmischte.

Dieser hatte erst wenige Monate zuvor vier Jahre und acht Monate Haft wegen Vergewaltigung und Körperverletzung abgesessen. Er sagte am Schlachthof zu seinen Freunden, er müsse „da mal was klären“. Daraufhin habe er mit seinen Springerstiefeln mit Stahlkapppe auf den 18-Jährigen, der schon am Boden lag, eingetreten. Er zog das Opfer wieder hoch, ließ es erneut auf den Boden fallen und trat gemeinsam mit dem 17-Jährigen weiter auf den Wehrlosen ein.

Das Gericht hob hervor, dass beide Angeklagte der sogenannten Gothic-Szene angehörten und der ältere für viele der Jüngeren als Vaterfigur galt. Manche nannten ihn wegen seiner beherrschenden Stellung und seiner Neigung zur gewalttätigen Einmischung nur „devil“ (Teufel).

Das Gericht glaubte dem 32-Jährigen nicht, dass er wegen seines Alkoholkonsums nur schemenhafte Erinnerung an den Abend habe. Nach Zeugenaussage habe der Mann später am Abend keine Ausfallerscheinungen gehabt. Er habe auch keinen Grund zur Einmischung gehabt. „Nur aus Machtgehabe“ sei dieser so äußerst brutal vorgegangen, sagte Bäumer-Kurandt. Eine verminderte Schuldfähigkeit konnten die Richter nicht erkennen.

Auch der 17 Jahre alte Angeklagte habe gewusst, dass der 18-Jährige sterben könnte. Er habe sich aber auch von dem Älteren angestachelt gefühlt. Niedere Beweggründe seien ihm aber nicht zu unterstellen, weshalb er wegen Totschlags und nicht wegen Mordes verurteilt wurde.

Die Sicherungsverwahrung für den Hauptangeklagten begründete die Strafkammer damit, dass er nach der „völlig sinnlosen Tat“ vom November 2010 weiterhin einen „Hang zur Begehung erheblicher Straftaten“ habe. Revision gegen das Urteil können Verteidigung oder Anklage innerhalb einer Woche einlegen.

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