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Hessen Für Bouffier bleiben Fragen zu Börsenfusion
Mehr Hessen Für Bouffier bleiben Fragen zu Börsenfusion
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19:30 30.11.2011
Ex-US-Außenminister Kissinger (l.) und Bouffier. Archivfoto: Chris Melzer

Wiesbaden. Bei seinem Gespräch mit dem Vorstand der New York Stock Exchange (NYSE) habe er das hessische Interesse an einem starken Finanzplatz Frankfurt betont, berichtete Bouffier am Mittwochabend in Wiesbaden. Er war morgens von einem dreitägigen Besuch in New York zurückgekehrt.

„Es wäre ein deutliches Stück der Vertrauensbildung, wenn man sich auf eine Regelung verständigen könnte, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt", sagte Bouffier. Frankfurt müsse im Konzern auch ein starker IT-Standort bleiben, forderte er. Die US-Gesprächspartner um NYSE-Chef Duncan Niederauer hätten ihm aber versichert, dass in dem transatlantischen Konzern etwa zwei Drittel des Geschäfts in Frankfurt stattfinden sollten.

Bouffier berichtete, dass das Milliardengeschäft auch auf der anderen Seite des Atlantiks mit Skepsis gesehen werde. Es gelte als „schlecht verhandelt", weil Niederauer zwar den neuen Konzern führen soll, die Frankfurter Seite aber mindestens bis 2015 die Mehrheit im Aufsichtsrat stellt. Auch würden Auflagen der EU-Wettbewerbshüter befürchtet: Wenn der Derivatehandel komplett abgespalten werde, „dann wird aus der Sache nichts", zitierte Bouffier die Amerikaner.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel, der zu Bouffiers Delegation gehört hatte, hält die Fusion weiterhin nicht für genehmigungsfähig. „Das Börsenprojekt ist unserer Ansicht nach ohne Perspektive", sagte er. Die Entwicklung nach 2015 sei unsicher. Diese Sorge teilt er mit Bouffier, der allerdings sagte, die Entwicklung des weltweiten Börsengeschäfts über fünf und mehr Jahre hinaus sei generell schwierig vorherzusehen.

Die höchste Hürde ist derzeit die Prüfung des Geschäftsmodells durch die EU, die voraussichtlich bis Januar dauern wird. „Wir werden uns erst dann entscheiden, wenn wir die Entscheidung der Brüsseler Wettbewerbsbehörde kennen", sagte Bouffier. Die letzte Entscheidung über das Geschäft liegt beim hessischen Wirtschaftsministerium, das die Aufsicht über die Frankfurter Wertpapierbörse führt.