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Ein Pirat auf dem Weg ins Rathaus

Piratenpartei Ein Pirat auf dem Weg ins Rathaus

In einer kleinen Gemeinde in der hessischen Rhön will ein promovierter Biologe für die zuletzt groß rausgekommene Piratenpartei in Deutschland Geschichte schreiben.

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Gerhard Rudi Pelz tritt für die Piraten-Partei bei der Bürgermeister-Wahl in Hofbieber im Landkreis Fulda an. Seine Chancen gehen die vier übrigen, allesamt parteilosen Kandidaten stehen nicht schlecht. Foto: Jörn Perske

Quelle: Jörn Perske

Hofbieber. Gerhard Rudi Pelz stellt sich in Hofbieber zur Bürgermeisterwahl. Wenn er am kommenden Sonntag (15. Juli) gewählt würde, wäre er der erste Piraten-Politiker bundesweit, der es zum Rathaus- und Verwaltungschef gebracht hat.

Pelz ist alles andere als ein typischer Vertreter der jungen, 2006 gegründeten, irgendwie in Mode gekommenen Partei. Der 62-Jährige war früher 20 Jahre für die CDU aktiv und trägt einen nicht sonderlich modischen grauen Anzug. Bei der CDU trat er wegen Differenzen aus, weil er die „Seilschaften und Lagerkämpfe“ nicht mehr ertrug.

Für mehr Bürgerbeteiligung

Von den etablierten Parteien hat Pelz die Nase voll. „Ich will mit diesem angestaubten Politik-Stil aufräumen“, sagt er im Büro seines großen Einfamilienhauses in Petersberg nahe Fulda. Dort hat der Zoologe und Fischexperte auch sein Sachverständigen-Büro für Umweltbelange. Und dort hat er auch sein 14seitiges Wahlprogramm geschrieben. Es sei vor kurzem erst fertig geworden - wenige Tage vor dem Urnengang. Er habe noch so viele Bürger in der rund 6300 Einwohner zählenden Gemeinde zu ihren Vorstellungen befragt.

Wenn Pelz zum Wahlkampf aufbricht, fährt er mit einem betagten Mercedes, der schon mehr als 600000 Kilometer auf dem Tacho hat. Im Kofferraum liegen Plakate, Handzettel und alles, was man so braucht. Pelz‘ Ziel bei der Wahl: gewinnen - und die vier parteilosen Mitbewerber bezwingen. Er glaubt aber, dass der Sieger wohl erst in einer Stichwahl ermittelt wird.

Sollte er für die Piraten triumphieren, wäre es für die bei vier Landtagswahlen zuvor erfolgreichen Freibeuter ein Beleg, dass auch kommunalpolitisch etwas geht. Pelz wäre aber nicht der erste Piraten-Bürgermeister. Es gibt schon zwei. Die seien aber der Partei erst beigetreten, als sie bereits in Amt und Würden waren, erklärt Piraten-Sprecherin Anita Möllering.

Punkten will Pelz bei den überwiegend konservativen Wählern in Osthessen - tief geprägt von der CDU - mit typischen Piraten-Themen, die er leidenschaftlich referiert. Er will mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz. Die Verwaltung solle alle Vorgänge von Interesse für alle sichtbar ins Internet stellen. Zwar ist wohl nicht jede Oma in der Rhön im Netz unterwegs. Aber davon will sich Pelz nicht entmutigen lassen: „Wir machen Kurse auch für Ältere.“

Mehr Service, mehr Information und Mitspracherecht für den Bürger will Pelz. „Hessen ist ein demokratisches Entwicklungsland“, schimpft der Kandidat angriffslustig. Es werde den Bürgern zu schwer gemacht, Informationen von Behörden und Verwaltungen zu bekommen.

Bei Wählern stoße er mit seinen Themen auf zunehmendes Interesse. Pelz gibt sich aber auch pragmatisch: „Ich gebe mich keinen Hirngespinsten hin. Ich bin kein Träumer sondern Wissenschaftler.“

Wieso sich der promovierte Zoologe in das Abenteuer Kommunalpolitik auf dem Dorf stürze? Er sei selbstständig, habe Zeit „und meine beiden Kinder sind zum Studieren aus dem Haus“, sagt er schmunzelnd.

von Jörn Perske

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