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Besitzer trennen sich von Gewehren und Co.

Kommunen Besitzer trennen sich von Gewehren und Co.

Pistolen oder Gewehre gehören in den sicheren Waffenschrank. Auch in Hessen kontrollieren die Behörden seit einer Verschärfung des Waffenrechts 2009, ob sich die Besitzer wirklich an diese Pflicht halten.

Frankfurt/Main. Probleme gibt es dabei kaum. Inzwischen geben sogar viele ihre Schießeisen freiwillig zurück, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei Behörden und Kommunen ergab.

Der Grund: Manch einer hat die Knarre nur geerbt, andere scheuen die Kosten für einen neuen und sicheren Waffenschrank, wieder andere trennen sich aus Altersgründen von dem Schießprügel. In einigen Fällen wurden Waffen aber auch einzogen, etwa weil der Besitzer kriminell wurde.

Im RHEINGAU-TAUNUS-KREIS wurden im vergangenen Jahr rund 500 Waffen zurückgegeben, im MAIN-TAUNUS-KREIS waren es 514. Einige Besitzer mussten jedoch ihre Waffen abgeben, weil die Behörden die Besitzkarte wegen unzuverlässigen Verhaltens zurücknahmen. "Das passiert etwa bei Personen, die straffällig wurden", sagt die Sprecherin des Main-Taunus-Kreises, Johanna Weigand. Die Waffen werden direkt beim Polizeipräsidium eingeschmolzen. Im Main-Taunus-Kreis waren zum 1. Januar 2011 insgesamt rund 23 600 Waffen von rund 3200 Besitzern registriert, wie aus Zahlen des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt hervorgeht. Die meisten Besitzer sind - wie fast überall in Hessen - Sportschützen, Jäger und Sammler. Jäger dürfen nach Angaben des Landesjagdverbands mehrere Gewehre, sogenannte Langwaffen, haben und höchstens zwei sogenannte Kurzwaffen, also Pistole oder Revolver.

Im HOCHTAUNUSKREIS haben rund 4950 Menschen eine Waffe. "Darunter gibt es viele Jäger, die nur eine Waffe besitzen und diese auch benutzen - aber auch Sammler, die Waffen haben, mit denen überhaupt nicht geschossen wird", sagt eine Kreissprecherin. Seit 2009 stieg die Zahl der Rückgaben. "Vielen Waffenbesitzern ist die Investition in teure Waffenschränke einfach zu hoch." In den Schränken im Kreis stehen nach einer Statistik des RP Darmstadt noch 20 134 registrierte Waffen.

Das RP registriert deutlich weniger Waffen als in den vergangenen Jahren. "Das ist auf alle Fälle rückläufig", sagte eine Sprecherin der Behörde. Die elektronische Erfassung der Waffenbestände habe zudem gezeigt, dass frühere Schätzungen deutlich zu hoch lagen. Am 1. Januar 2011 waren im gesamten Regierungsbezirk - er umfasst Südhessen, die Wetterau und den Taunus sowie die Städte Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden und Offenbach - rund 301 000 Waffen zugelassen. In FRANKFURT werden nach Angaben des Ordnungsamts derzeit nicht mehr Waffen abgegeben als sonst. Das Spektrum reicht von Handfeuerwaffen bis zu Gewehren. Oft seien es ältere Waffen mit Munition. Meist würden Waffen von Erben abgegeben, die keine Berechtigung dafür hätten und die sie loswerden wollten. Das Ordnungsamt sammelt die Stücke, die dann vernichtet werden.

Im REGIERUNGSBEZIRK KASSEL waren am 1. Januar 2011 rund 124 000 Waffen angemeldet, rund 22 500 davon im LANDKREIS KASSEL. 2010 wurden im Kreis 151 Waffen verschrottet, 2011 stieg die Zahl auf 537. In diesem Jahr waren es bislang 348. "Die Waffen werden alle freiwillig abgegeben, da die Besitzer in der Regel die Kosten für einen neuen und sicheren Waffenschrank scheuen", sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Ein weiterer Grund sei das Alter der Besitzer. Werden die Waffen freiwillig zurückgegeben, entsorgt sie der Kreis kostenfrei. Vorher untersucht das Landeskriminalamt, ob die Waffen bei einer Straftat benutzt wurden.

Bei Kontrollen der Waffenschränke im SCHWALM-EDER-KREIS gab es nach Angaben von Landrat Frank-Martin Neupärtl keine Probleme. "Die Waffenbesitzer sind im Zusammenhang mit dem Nachweis der sicheren Aufbewahrung sehr kooperativ". In drei Fällen verhängte der Kreis wegen falscher oder fehlender Waffenschränke ein Bußgeld. In den vergangenen drei Jahren wurden im Kreisgebiet 1405 Schusswaffen abgegeben, davon 834 Lang- und 571 Kurzwaffen.

Nach Erfahrung des LAHN-DILL-KREISES sind die Waffenbesitzer "zu 95 Prozent kooperativ". Viele Bürger gäben freiwillig ihre Waffe heraus, berichtet auch Ulrich Jochem, der stellvertretende Leiter der Abteilung Aufsichts- und Kreisordnungsbehörden - etwa wenn sie eine erbten und die Kosten für einen Tresor nicht tragen wollten. Seit der Gesetzesänderung 2009 wurden rund 2630 Waffen ausgehändigt. Es gab etwa 50 Bußgeldverfahren gegen Besitzer, die Waffen nicht ordnungsgemäß aufbewahrten. Die Bürger können sie beim Kreis kostenlos abgeben. Er kümmert sich dann um die Vernichtung bei der zuständigen Polizeibehörde in Wiesbaden. Im gesamten Bezirk des RP Gießen sind 27 000 Waffen angemeldet.

Im LANDKREIS FULDA wurden in den vergangenen drei Jahren etwa 775 Schusswaffen und rund 160 Hieb- und Stoßwaffen abgegeben oder sichergestellt. Insgesamt 237 davon in diesem Jahr. "Bis auf wenige Einzelfälle waren alle Waffenbesitzer kooperativ", sagt Katrin Beyrodt vom Landkreis. Seit August 2009 wurden rund 150 Buß- und Verwarngelder "wegen waffenrechtlicher Verstöße" verhängt.

dpa

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