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Hessen Auschwitz-Komitee kritisiert späte KZ-Prozesse
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18:53 07.04.2016
Christoph Heubner. Quelle: Julian Stratenschulte/Archiv
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Hanau

Es ist über Jahrzehnte versäumt worden, die Täter in den Konzentrationslagern schneller vor Gericht zu stellen. Das ist ein dunkler Fleck auf der Visitenkarte Deutschlands", sagte Christoph Heubner (66), Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. "Desinteresse" sei dafür verantwortlich, warum die Helfer der Tötungsmaschinerie in den Konzentrationslagern nicht früher angeklagt worden seien.

Das Landgericht Hanau hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass der Prozess gegen Ernst T. wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 1075 ausfällt. Der frühere SS-Wachmann war am Donnerstag tot in seiner Wohnung in Langenselbold (Main-Kinzig-Kreis) gefunden worden. "Schade, dass er nicht mehr die Gelegenheit hatte, die Wahrheit zu sagen und sein Schweigen zu brechen", sagte Heubner. Die Angehörigen der Opfer hätten lange darauf gewartet.

Der Angeklagte sei "ein typischer SS-Vertreter gewesen, der die dunkle und schweigende Seite des Nachkriegsdeutschlands" repräsentiere: "Er hat nie Reue gezeigt und sich öffentlich geäußert." Dabei sei auch er als damals 19 und 20 Jahre alter Wachmann ein Teil der Tötungsmaschinerie in Auschwitz gewesen.

dpa

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