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Archäologen retten bei Pipeline-Bau Kulturgüter

Wissenschaft Archäologen retten bei Pipeline-Bau Kulturgüter

Beim Bau einer 120 Kilometer langen Ferngasleitung quer durch Mittelhessen haben Archäologen tausende Fundstücke von der Steinzeit bis zum Zweiten Weltkrieg gesichert.

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Archäologen retteten beim Pipeline-Bau Kulturgüter. Foto: Boris Roessler/Archiv

Wiesbaden. Die Landesarchäologie präsentierte das Ergebnis der Grabungen von 2006/2007 am Dienstag in Wiesbaden. "Die Trassengrabung hat einen ungeheuren Aufwand und ausgefeilte Logistik seitens der Archäologen erfordert", sagte Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU). Die unterirdisch verlegte Gaspipeline FGL 83 des Energiekonzerns Eon führt von Lauterbach im Vogelsberg durch das Gießener Becken und Limburg nach Scheidt in Rheinland-Pfalz.

Beim Bau wurde der Mutterboden auf einer 25 Meter breiten Arbeitsschneise quer durch Mittelhessen weggeschoben. "Wir hatten 14 Tage Zeit zwischen den Baggern und dem Verlegen der Rohre", berichtete die Bezirksarchäologin Sabine Schade-Lindig, die für die Landkreise Lahn-Dill, Limburg-Weilburg und Wetterau zuständig ist.

In diesen wenigen Tagen suchten die Wissenschaftler mit vielen Helfern nach archäologischen Funden. Vasen, Waffen oder Schmuckstücke wurden mitsamt der Erde geborgen, gesichert mit Gips und Folie. "So etwas birgt man heute im Block", sagte Schade-Lindig. Im Basislager in Hüttenberg bei Wetzlar wurden die Funde gesäubert und untersucht.

Schlechtes Wetter machte den Archäologen zu schaffen. "Papier und Bleistift funktioniert bei jedem Regen. Die größten Ausfälle hatten wir bei der Technik." Autos und mehrere Laptops gaben den Geist auf. "Das Einzige, was gehalten hat", waren die Ausgräber", erzählte Schade-Lindig. An 77 Stellen entlang der Trasse wurde gegraben.

Der Lohn waren beispielsweise steinzeitliche Tierköpfe aus Keramik. An fünf Stellen wurden steinzeitliche Befestigungen gefunden, die belegen, dass Mittelhessen zur Zeit der sogenannten Bandkeramiker dichter besiedelt war als bisher angenommen. Als besonderes Prunkstück zeigten die Archäologen ein langes Steinbeil, etwa 7600 Jahre alt, das bei Hüttenberg-Hörnsheim entdeckt wurde. Aus der Bronzezeit stammten Messerklingen oder Fibeln - "die älteste Form der Sicherheitsnadel".

Das Beispiel zeige, dass archäologische Denkmalpflege Bauvorhaben nicht verhindere oder verzögere, sagte Ministerin Kühne-Hörmann. Auch Schade-Lindig lobte die Zusammenarbeit mit den Bauleuten. Wichtige Kulturgüter seien bewahrt worden. "Das war eine Superleistung, und ich freue mich schon auf die nächste Gasleitung."

dpa

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