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Aktuelles Borkenkäfer-Invasion lässt Fichtenholzpreise sinken
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13:43 02.10.2018
Borkenkäfer fressen Löcher in die Rinde und den Bast einer Fichte. Quelle: Alexandra Wey/KEYSTONE
Hagen

Fichtenholzpreise im freien Fall: Weil Millionen von

Bäumen dem Borkenkäfer bereits zum Opfer gefallen sind, ist der Markt

für Fichtenholz massiv unter Druck geraten. Noch ist ein Ende der

Invasion nicht absehbar.

Allein in Nordrhein-Westfalen geht das

Umweltministerium in einer aktuellen Schätzung von bis zu 2,1

Millionen Kubikmetern befallenem "Käferholz" aus. Das entspricht

knapp zwei Millionen abgestorbenen Bäumen. Noch vor wenigen Wochen

hatten Experten die Zahl nur etwa halb so hoch geschätzt. Das volle

Ausmaß der Schäden sei jedoch erst im Oktober erkennbar, hieß es.

Das Bundesland gilt damit unter Experten als einer der Schwerpunkte

der Borkenkäfer-Ausbreitung. Hintergrund sind eher ungünstige

Wachstumsbedingungen im Flachland für den auf kühle und feuchte

Höhenlagen ab etwa 800 Höhenmetern spezialisierten Nadelbaum.

Waldbesitzer klagen jedoch bundesweit über massive Schäden in

Milliardenhöhe. Dabei werden neben den Folgen der Dürre im Sommer

auch die Stürme zum Jahresbeginn für die aktuelle Massenvermehrung

der Borkenkäfer verantwortlich gemacht.

"Das Holz ist nichts mehr wert", sagte Heidrun Buß-Schöne,

Geschäftsführerin des nordrhein-westfälischen Waldbauernverbands. 60

bis 100 Jahre alte Fichten würden derzeit oft für den Brennholzpreis

verkauft. Während der Preis für Fichtenholz noch zum Jahresanfang bei

etwa 90 bis 95 Euro gelegen habe, habe sich der Wert vielfach nahezu

halbiert. Beim Forstbetrieb Wald und Holz geht Sprecher Michael

Blaschke von Einbußen von durchschnittlich etwa 30 Prozent aus.

Fichtenholz wird wegen seiner gut zu verarbeitenden, langen und

geraden Stämme vor allem in der Bauwirtschaft eingesetzt, aber auch

in der Möbel-, Verpackungs- und Parkettindustrie. Derzeit sorgt vor

allem der Bauboom eigentlich für eine hohe Nachfrage. Doch bereits in

einigen Jahren könnte Fichtenholz zur Mangelware werden, meinte Jörg

Dommermuth vom Regionalforstamt Märkisches Sauerland.

Ob schließlich Bauherren sowie Möbel und Parkettkäufer von den

gesunkenen Preisen profitieren werden, sei derzeit noch unklar, sagte

Georg Lange vom Hauptverband der deutschen Holzindustrie. Für die

Weiterverarbeitung sei es wichtig, dass die befallenen Bäume sofort

geschlagen würden, nur dann drohe dem Holz kein Qualitätsverlust. "Es

kommt darauf an, dass man schnell handelt", sagte er. Sobald der Baum

jedoch anfange, seine Rinde zu verlieren, hätten Pilze und andere

Schädlinge schnell freie Bahn.

Förster würden die befallenen Stämme gern schnell aus den Wäldern

holen, schon um die drohende weitere Ausbreitung des Borkenkäfers

zumindest einzudämmen, sagte Dommermuth. Doch Waldarbeiter und vor

allem Transportunternehmen, die die Stämme zu den Sägewerken bringen,

seien derzeit Mangelware. Die Aufarbeitung der Schäden werde

vermutlich noch Jahre dauern, meinte Dommermuth. "Und das Fressen

geht weiter."

Ein Ende der Invasion ist derzeit nicht in Sicht. Nachdem sich die

Käfer bei den nun kühler werdenden Temperaturen demnächst in den

Boden zurückziehen, ist im Frühjahr 2019 mit einer neuen Generation

zu rechnen. "Für die Waldbesitzer ist das eine Katastrophe", stellte

Dommermuth fest.

Schon jetzt ist jedoch unter Fachleuten klar, dass sich die Wälder

deutlich verändern werden. Die lange Zeit als sichere Ertragsquelle

von den Waldbesitzern geschätzte Fichte soll an den Klimawandel

angepassten Baumarten weichen. "Die Bedeutung der Fichte wird

abnehmen", ist sich Blaschke sicher. In den Wäldern könnten künftig

etwas japanische Sicheltannen, Mammutbäume oder Esskastanien wachsen.

dpa

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