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Marburg Jäger sollen mehr Wildschweine abschießen
Marburg Jäger sollen mehr Wildschweine abschießen
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11:17 29.03.2018
Der Kreistag hat sie ins Visier genommen: Wildschweine übertragen die Afrikanische Schweinepest und sollen daher häufiger gejagt werden. Quelle: Horst Ossinger
Marburg

Bislang blieb Deutschland von der Afrikanischen Schweinepest verschont.Damit das so bleibt, möchte der Landkreis Vorsorge treffen. Darüber wurde in der jüngsten Kreistagssitzung zwischen den Fraktionen gestritten. SPD und CDU, AfD, Freie Wähler und Grüne – sie alle brachten Anträge ein, die sich mit dem Thema befassten.

Der Ansatz war in allen Anträgen der gleiche: Die Krankheit wird unter anderem von Schwarzwild übertragen. Damit sich Züchter nicht um ihre Tiere und Einkommen Sorgen müssen, soll der Wildschweinbestand reduziert werden. Um die Jäger dabei zu unterstützen, hat der Kreistag beschlossen, sie von den Gebühren zu befreien, die durch die Fleischbeschau anfallen.

Jäger müssen das Fleisch erlegter Wildschweine auf Trichinenbefall untersuchen lassen. Bei Tieren, die weniger als 20 Kilogramm wiegen, müssen sie das in den nächsten beiden Jahren nicht mehr bezahlen. Gerade solch jüngere Tiere­ würden seltener gejagt, weil sie wenig Fleisch geben. Wenn dann noch die Untersuchungsgebühren dazukommen, lohne sich der Abschuss nicht, so die Argumentation.

Kreis will über Seuche aufklären

Die Jäger von den Gebühren zu befreien, das stand in allen Anträge zum Thema. Frank Lerche von den Piraten schmeckte das aber nicht. Er bezweifelte, dass die kostenlose Fleischbeschauung dazu führen wird, dass ­Jäger mehr Wildschweine­ abschießen. Die Jagd würde nicht aus wirtschaftlichen Gründen betrieben. Und der Landkreis sei nicht dafür verantwortlich, dass sich die „Jagd wirtschaftlich lohnt“, sagte er.

Der Kreistag hat den Kreisausschuss außerdem damit beauftragt, die Öffentlichkeit über die Gefahren der Afrikanischen Schweinepest zu informieren.Das Parlament folgte damit dem gemeinsamen Antrag der SPD und der CDU.

Die AfD hatte als zusätzlichen Anreiz für die Wildschweinjagd eine Abschussprämie ins Spiel gebracht. Auch die Freien Wähler wollten in ihrem Antrag eine solche Prämie und forderten zusätzlich „flächendeckende Drückjagden“ auf Wildschweine. Die Bündnisgrünen beantragten, dem Anstieg von Flächen für Mais- und Rapsanbau entgegenzuwirken. Solche Felder böten den Wildschweinen Nahrung und Rückzugsraum und förderten demnach den Anstieg der Population.

All diese Gedankenspiele wurden jedoch abgelehnt und der Vorschlag von SPD und CDU setzte sich in der Abstimmung durch. Die Entscheidung fiel allerdings ohne die Stimmen der AfD. Nachdem der eigene Antrag vom Parlament abgelehnt worden war, verließ die Fraktion geschlossen den Plenarsaal und kam erst nach einigen Minuten zurück.

von Dominic Heitz