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Zwei-Mann-Stück überzeugt mit Witz und Charme

Theater Zwei-Mann-Stück überzeugt mit Witz und Charme

Die vierte Inszenierung von Peter Radestock in der Theaterscheune Marbach stammt aus der Feder des Engländers John Mortimer und spielt ausschließlich in einer Gefängniszelle.

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Ausschließlich in einer Gefängniszelle spielt das John-Mortimer-Stück „Das Pflichtmandat“. Samenhändler Fowle (links) sitzt dort ein und wird von Anwalt Morgenhall verteidigt,

Quelle: Mira-Kristin Muth

Marbach. Mit Witz und ­insbesondere überzeugenden schauspielerischen Leistungen der zwei Darsteller bereitete die Komödie „Das Pflichtmandat“ den Premierenzuschauern am Freitag einen amüsanten und kurzweiligen Abend.

Der bis dato erfolglose Anwalt Wilfred Morgenhall (Michael Köckritz) bekommt endlich seinen ersten Fall. Er soll den Samenhändler Herbert Fowle (Stefan Gille) aus dem Bau holen. Fowle sitzt ein, weil er seine Frau im Affekt erschlagen hat. Er leugnet die Tat nicht, hat die Gattin ihn doch mit ihrem hysterischen Lachen zur Weißglut getrieben. Pflichtverteidiger Morgenhall, der eifrig an seinen ersten Fall herangeht, hat seine liebe Not, Fowle von der Wichtigkeit eines Freispruchs zu überzeugen. Der Schuldige selbst fühlt sich in seiner Zelle nämlich ziemlich wohl.

Die beiden nicht nur äußerlich ganz unterschiedlichen Charaktere nähern sich einander langsam und spielen schließlich den richterlichen Prozess in der Zelle mit Bravour durch. Gille schlüpft als Samenhändler in die Rollen aller am Prozess Beteiligten und schafft es, seinen Mandaten vom Sinn eines Freispruchs zu überzeugen. In der zweiten Hälfte kehrt sich Morgenhalls Ambition ins Gegenteil. Nach seinem im wirklichen Leben vergeigten Prozess ist er derjenige, der vom Weitermachen überzeugt werden muss.

Vielleicht war das Premierendatum des 11.11.11 der Grund, dass die 99 Plätze in der Theaterscheune nur zum Teil besetzt waren. Die anwesenden Zuschauer jedoch amüsierten sich besonders an der Gegensätzlichkeit der zwei Charaktere, der vermeintlichen Bildung des Anwalts sowie an Fowles begriffsstutziger Mimik. Bemerkenswert war nicht nur, dass die Chemie zwischen Gille und Köckritz stimmte, sondern auch, wie charmant und treffend die Darsteller ihre Rollen adaptierten.

von Mira-Kristin Muth

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