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Zwei Männer und ein Wartezimmer

Kabarett im KFZ Zwei Männer und ein Wartezimmer

Beißender Humor, anspruchsvoller Witz. Das sind die Markenzeichen von Jochen Busse und Henning Venske. Die Urgesteine des politischen Kabaretts traten am Donnerstag in Marburg auf.

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Henning Venske (links) und Jochen Busse können es nicht lassen: Abgebrüht und voller Witz erklären sie, wie die Welt funktioniert. Und das, ohne jemals belehrend zu sein.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Ein bisschen wirkt es wie Improvisationstheater, was Jochen Busse und Henning Venske auf die Bühne der Marburger Stadthalle bringen.

Gewollt spartanisch, gewollt unperfekt. Aber die gespielte Improvisation macht deutlich, welch Pedanten auf der Bühne stehen. Sie wissen: Nichts kann schlimmer sein als Kabarettisten, die sich selbst komisch finden. Und so spielen sich Busse und Venske herrlich unaufgeregt durch den Abend.

Wobei „spielen“ das falsche Wort zu sein scheint, für das, was die beiden Herren mit den grau melierten Haaren auf der Bühne zeigen. Sie wirken authentisch, fast so, als hätten sie ihre Rollen im Requisitenkoffer vergessen.

Ein Dialog zweier Männer, die ohne Stammtischgeschwätz, dafür aber mit subtilem Witz und messerscharfen Verstand ihre Umwelt betrachten. Das Programm „Inventur“ ist eine Abrechnung mit Politikern, Spitzen-Bankern und sogar ADAC-Mitarbeitern. Scharfzüngig, ohne jemals beleidigend zu werden, überspitzt, ohne den Bezug zur Realität zu verlieren, hangeln sich Jochen Busse und Henning Venske wie zufällig durchs Programm.

Jochen Busse, zehn Jahre RTL-Erfahrung im Rücken, fühlt sich sichtlich wohl auf der Bühne. Er spricht schnell, viel und permanent. Nur zum Luft holen verstummt er. Venske hingegen ist der ruhende Pol, ja, das fast schon gelangweilte, ewig besserwissende Gegenstück zu Busse.

Und fast so, als würde Jochen Busse mit seiner Karriere vor der Kamera abrechnen wollen, stellt er fest: „Fernsehen macht blöde.“ „Falsch, Fernsehen wird von Blöden gemacht“, erwidert Venske.

von Marie Lisa Schulz

Mehr lesen Sie am Samstag in der Printausgabe der OP.

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