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Marburg Mit Ingwertee und Ibuprofen zum Gipfel
Marburg Mit Ingwertee und Ibuprofen zum Gipfel
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00:16 19.03.2019
Geschafft! Die deutschen Kilimandscharo-Wanderer mit Dirk Völker (links oben) und Peter Walburg (rechts in der orangefarbenen ­Jacke) aus Cölbe, Johannes Kippenberger aus Frankfurt (sitzend in der roten Jacke) und Erik Hilse aus Dresden (sitzend in blauer ­Jacke) sind gemeinsam mit ihren Begleitern aus Tansania auf 5.895 Höhenmetern angelangt. Die Temperatur lag zu diesem Zeitpunkt bei minus 22 Grad.  Quelle: Privatfoto
Cölbe

Sie würden es beide nicht noch einmal machen. Und zur Nachahmung empfehlen würden sie es auch nicht unbedingt. Peter Walburg (61) und Dirk Völker (50) haben am 16. Februar um 7.29 Uhr zusammen mit Freunden und tansanischen Guides den höchsten der drei Kilimandscharo-Gipfel erreicht. Sie sind auf 5.895 Metern Höhe am Uhuru-Peak angekommen und damit am höchsten Punkt des gesamten afrikanischen Kontinents. „Zum Schluss war‘s nur noch schlimm, reine Quälerei – und ich habe mich wirklich gefragt, warum ich mir das antue“, sagt Peter Walburg, Geschäftsführer der Firma GreenVesting in ­Cölbe.

Ja, warum eigentlich? Wie kommen zwei Männer auf die Idee, unbedingt auf einen fast 6.000 Meter hohen Berg in Tansania steigen zu müssen? Die Antwort lautet wie so oft im Leben: wegen des Geldes. Es ging dabei aber durchaus um eine gute Sache, nämlich um eine Schule in Tansania. Sie wird vom deutschen Hilfsverein VOKK (Voice of Kilimandjaro-Kids) unterstützt. Diesem Hilfsverein gehören Walburg und Völker an. Und deshalb kamen sie auf die Idee, einen Kilimandscharo-Aufstieg als Spendenaktion zu organisieren (die OP berichtete).

Bessere Lernbedingungen für Kinder schaffen

Die Sponsoren zahlten einen Betrag, den sie selbst vorab für jeden geschafften Höhenmeter festgelegt hatten. So sind am Ende 13.000 Euro von einer Zielsumme von 44.000 Euro zusammengekommen. „Das reicht aus, um für die Kinder eine moderne Küche zu bauen“, freut sich Peter Walburg. Gemeint sind damit die 450 Schüler der Grundschule in Marangu am Fuße des Kilimandscharo.

Die Schule wird vom VOKK unterstützt, damit bessere Lernbedingungen für die Kinder geschaffen werden können. So fehlt es dort auch an einer Trinkwasserversorgung. „Das Geld dafür bekommen wir nach und nach auch noch zusammen“, ist sich Peter Walburg sicher. Er plant schon die nächste Wohltätigkeits-Aktion – doch dazu später mehr.

Zunächst soll es noch um den Aufstieg gehen, vor allem um die qualvollsten Stunden am Kilimandscharo zwischen Mitternacht und 7.29 Uhr an besagtem 16. Februar. Denn zu dieser Zeit waren die vier Männer aus Deutschland zusammen mit ihren erfahrenen Guides auf den letzten sechs Kilometern bis zum Gipfel unterwegs, durchwanderten in der Dunkelheit mit Stirnlampen diese Strecke und überwanden dabei 1.200 Höhenmeter.

Der Aufstieg beginnt mitten in der Nacht, damit die Wanderer den Tag dann noch nutzen können, um wieder auf 3.700 Meter abzusteigen. „Länger soll man sich nicht in dieser Höhe aufhalten“, erklärt Dirk Völker und muss unwillkürlich an die Würgelaute vorauswandernder Gipfelbesucher denken. Um die 30 Prozent derer, die es so weit nach oben schafften, gäben dann auf der letzten Etappe doch noch auf, weil die Höhenkrankheit ihnen so zusetze, sagt Walburg.

Langsam, ganz langsam bergauf

Völker ergänzt: „Spätestens am letzten Tag wird es mit jedem Meter schwieriger, mit der Höhe klarzukommen.“ Die dünne Luft raubt vielen Menschen förmlich den Atem, starke Kopfschmerzen und Erbrechen gehören zu den ersten Auswirkungen. Gerüstet hatten die Männer sich dagegen erfolgreich mit Iboprofen-Schmerztabletten, die jeder von ihnen vorsorglich schluckte. Und mit literweise Ingwertee, der nicht nur gegen die Höhenkrankheit, sondern auch gegen die bittere Kälte von minus 22 Grad helfen sollte.

Am Ende hat alles zusammengenommen dann gereicht, um ganz oben anzukommen: der Zusammenhalt in der Gruppe, das Spendenziel vor Augen, das Training im Vorfeld, der persönliche Ehrgeiz, Ibuprofen und Ingwertee. „Auch das Alter hilft“, sagt Peter Walburg und schmunzelt. So sei man mit 61 Jahren wohl klug genug, um auf die Guides zu hören, den Berg ganz, ganz langsam zu erklimmen und am gemächlichen Tempo festzuhalten, auch, wenn es nur sanft bergauf geht.

Wenn Völker und Walburg ihre Spendensammlung für die Grundschule in Marangu nun fortsetzen, dann etwas gemütlicher. Walburg stellt sich vor, mit einem Frankfurter Koch zusammen einen Wohltätigkeitsabend zu organisieren, der weitere Euros in die Spendenkasse bringen soll. Kochen statt Bergwandern, Schlemmen statt Japsen: Wer könnte ihm das schon übel nehmen?

von Carina Becker-Werner