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Zum Glücklichsein braucht es keinen Prinzen

Schultheater am Philippinum Zum Glücklichsein braucht es keinen Prinzen

Die Theater AG bringt im Grimm-Jahr ein Grimm-Märchen auf die Bühne: "Wer ist Aschenputtel?", haben sich die Schülerinnen und Schüler gefragt

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Klassisches Mobbing: Stiefschwestern und Stiefmutter fallen über Aschenputtel her.Foto: Daphne Flieger

Marburg. Es ist stockfinster. Der ganze Raum liegt in Dunkelheit. Hell leuchten bloß die Täubchen, die Aschenputtel gerufen hat. Weiße Hände schwirren durch die Luft. Zur geheimnisvollen Musik tanzen die Hände als Vögel symme­trisch auf der Bühne umher. Durch das Schwarzlicht schimmern diese geheimnisvoll. Die treuen Helfer lesen mit dem armen Mädchen die Linsen aus der Asche. Erst wenn sie die Aufgabe erledigt hat darf Aschenputtel auf den Prinzenball. Jedenfalls behauptet das die böse Stiefmutter, die ihr Versprechen nicht einlösen wird. Aber nicht alles bleibt beim Gewohnten bei dieser Version der Geschichte: „Wer ist Aschenputtel?“, fragten sich die Schülerinnen und Schüler der Theater AG der Sekundarstufe I des Marburger Gymnasiums Philippinum. In ihrer Inszenierung, die am Donnerstagabend im Kultidrom der Schule zu sehen war, nimmt das Geschehen eine unerwartete Wendung..

Das Märchen beginnt mit dem Tod von Aschenputtels Mutter ganz traditionell, spielt allerdings in der heutigen Zeit: Die verwöhnten Stiefschwestern wünschen sich Smartphone und Laptops vom Vater. Aschenputtel dagegen ist bescheiden und anders als die zwei. Genau das ist das Problem: Sie ist anders. Wer anders ist, wird häufig gemobbt. So sieht das Publikum auch Mobbingszenen aus dem heutigen Schulalltag.

Die AG nutzt viel Technik: mit Beamer, Leinwand und Hintergrundmusik wirkt das Märchen lebendig und aktuell. Nur der Traumprinz wirkt wie aus dem 19. Jahrhundert. Er verhält sich zu perfekt, findet Aschenputtel. Eiskalt lässt sie ihren Verehrer abblitzen. Die Frage nach der Identität Aschenputtels beantworten die Schüler also auf ganz moderne Weise: Zum Glücklichsein braucht es keinen Prinzen.

von Daphne Flieger

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