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Zu Gast in der „Märchenstadt“

Rumänische Kulturtage Zu Gast in der „Märchenstadt“

Klein und fein: Mit einem Konzert, mit einer Ausstellung des Fotografen Fred Nuss und mit einer Lesung der Dichterin Christel Ungar wurde ein Stück deutsch-rumänische Kultur nach Marburg gebracht

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Musiker aus Cluj gaben in Marburg und Schweinsberg Benefizkonzert zugunsten rumänischer Waisenkinder (oben). Der Fotograf Fred Nuss (links) aus Sibiu stellt derzeit im Marburger Rathaus aus, die Lyrikerin Christel Ungar las im Café Vetter.

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Fred Nuss kennt Marburgs Partnerstadt Sibiu, auf Deutsch Hermannstadt genannt, sehr gut. Seit über 50 Jahren ist er dort schon Pressefotograf - aber nur morgens. Mittags widmet er sich seinem Hobby und ist als Kunstfotograf unterwegs. Jeden Tag gehe er zehn Kilometer spazieren und finde dabei seine Motive, erzählte er. Für die Ausstellung „Stadtbilder aus Sibiu/Hermannstadt“, die noch bis 17. Mai im Rathaus zu sehen ist, fotografierte er mal ganz anders. Er zeigt Gebäude der Innenstadt, sowie Ansichten des nahe gelegenen Freilichtmuseums Astra.

Die meisten der 35 Gäste der Vernissage am Freitagabend hatten einen Bezug zu Sibiu oder waren schon einmal dort. Auch Oberbürgermeister Egon Vaupel fühlte sich wie um eine Woche in der Zeit zurück versetzt, als er selbst in Sibiu war. Genau das war das Ziel des Fotografen: Die Marburger Bürger dazu animieren sich die rumänische Partnerstadt mal etwas genauer anzusehen und vielleicht auch mal hinzufahren.

Die Stadt in Siebenbürgen wirkt auf den Fotos sehr idyllisch, besonders auf einigen Winterbildern. Die leichte Schneedecke wirkt wie ein Hauch Puderzucker über den Dächern. Auf anderen Fotos dominieren die beeindruckenden Stadtmauern. Ein Kontrast dazu sind einige neue Gebäude. Und es gibt Bilder der Oberstadt, die an Marburg erinnern mit ebenso kleinen und verwinkelten Gassen.

Für Fred Nuss ist es der erste Besuch in Marburg und er war sofort begeistert von der „Märchenstadt“, wie er sie selbst nennt. Auch hier findet er viele Motive. Allein bei einem kurzen Gang vom Markt zum Rudolphsplatz schoss er 25 Bilder, von denen zehn Bilder gut genug sind um vielleicht in einer umgekehrten Ausstellung gesehen zu werden mit Bildern aus Marburg in Sibiu.

Am Samstagabend las die Lyrikerin Christel Ungar bei der Neuen Literarischen Gesellschaft im Café Vetter. Gastgeber Ludwig Legge hob in seiner Begrüßung die Vielseitigkeit der Lyrikerin aus Sibiu hervor.

Christel Ungar ist nicht nur Lyrikerin, sie singt auch und arbeitet als Redakteurin für einen rumänischen Fernsehsender. Sie gehört zu der inzwischen recht kleinen Gruppe deutschsprachiger Autoren in Rumänien. Legge wies darauf hin, dass bereits 30 rumänische Autoren im Café Vetter gelesen haben.

Christel Ungar hat bisher zwei Gedichtbände veröffentlicht, „Blau so blau“ und „Wenn wir jetzt“ (2011). Ihre Gedichte sind kurz und prägnant und geprägt von einer feinen Melancholie. Ihre Themen sind Liebe und Leid, Sehnsucht, Verlangen und Trauer. Interessant war es in der Lesung, einige Gedichte in der rumänischen Übersetzung zu hören. Der Klang dieser Sprache wirkte fremd und faszinierend zugleich und erinnerte ein wenig an das Portugiesische.

Christel Ungar erwies sich am Samstagabend auch als gute Sängerin. Begleitet von Dr. Justus Noll am Flügel, sang sie mit gefühlvoller Stimme Benefizkonzerte für Waisenkinder

In der anschließenden Gesprächsrunde gab sie einen Einblick in die rumänische Literaturszene. Viele deutschsprachige Schriftsteller wie Herta Müller und Richard Wagner seien nach der Revolution 1989 ausgewandert. Es bestehe aber noch ein enger Kontakt zu diesen Autoren, regelmäßig gebe es Literaturtage und Lesungen in Bukarest und anderen Städten.

Zum Auftakt der Kulturtage hatte die Frauenhilfsorganisation Soroptimist International zwei Benefizkonzerte für Waisenkinder in der Elisabethkirche und in der Schweinsberger Stephanskirche organisiert: In Marburg erspielte das Quartett „Flauto Dolce Ensemble“ aus Cluj/Klausenburg 568 Euro und in Schweinsberg das Barockensemble „Transylvania“ Cluj 1467 Euro an Spenden. Das Geld kommt dem gemeinnützigen Verein ACASA in Sibiu zu Gute. Der Verein will jugendliche Waisen, die in Rumänien mit 18 Jahren die Waisenhäuser verlassen müssen, beim Übergang in ein selbst bestimmtes Leben begleiten.

von Mareike Bader und Bettina Preussner

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