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Zettelkästen gegen das Vergessen

Garten des Gedenkens Zettelkästen gegen das Vergessen

Der Künstler Oliver Gather und der Journalist Christian Ahlberg stellten ihr „Zettelkasten“-Projekt für den „Garten des Gedenkens“ vor, der auf dem Gelände der 1938 zerstörten Synagoge entstanden ist.

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Der Künstler Oliver Gather erläuterte Besuchern wie Dr. Alexandra Pätzold sein Projekt „Zettelkästen“ im „Garten des Gedenkens. Foto: Angelika Fey

Marburg. Was sind das eigentlich für Glaskästen, die in die Rasenfläche eingelassen sind? Was hat es mit den Zetteln auf sich, die in den Kästen liegen? Und woher kommen die Zitate auf den Zetteln? Diese Fragen kommen bei einem Besuch des „Gartens des Gedenkens“ auf, der am 11. November 2012 eingeweiht wurde (die OP berichtete).

Am Sonntagnachmittag bot sich nun die Gelegenheit direkt vor Ort auf dem Gelände der ehemaligen Marburger Synagoge in der Universitätsstraße mit Oliver Gather und Christian Ahlberg zu sprechen, die mit ihren „Zettelkästen“ den künstlerischen Anteil zum „Garten des Gedenkens“ beigesteuert haben.

Etwa 20 Menschen waren trotz Winterkälte gekommen, um mehr über das Konzept zu erfahren. Die Veranstaltung war von Markus Lepper vom Gießener Kunstverein in Zusammenarbeit mit dem Marburger Kunstverein organisiert worden.

Oliver Gather erläuterte den Besuchern, was die Gedenkstätte auszeichnet: Es handele sich nicht um eine Skulptur, die einmal gebaut und dann nicht mehr verändert werde, denn „ein Stein gewordenes Nie-Wieder reicht nicht“. Den Düsseldorfer Künstlern geht es vielmehr darum, das Gedenken lebendig zu halten und die Art, wie sich erinnert wird, zu thematisieren.

Die zehn in die große Rasenfläche eingelassenen Zettelkästen enthalten Auszüge aus Gesprächen, die Gather und Ahlberg mit Marburger Überlebenden des Holocaust und deren Kindern geführt haben. Die sechs Interviewpartner leben inzwischen in Israel, fühlen sich Marburg aber weiter sehr verbunden. Die innovative Struktur der Zettelkästen besteht nun darin, dass die Zettel jeweils nur ein Jahr im Kasten verblieben. Denn die Zettel sind laut Gather nur das „Artefakt“ des eigentlichen Gedenkprojektes.

Das Projekt besteht für die Künstler im Dialog, der über die Marburger Synagoge und die Geschehnisse der Reichspogromnacht geführt wird. Dies bedeute, dass der „Garten des Gedenkens“ eine beständige Auseinandersetzung fordere. Die Erinnerungsarbeit sei nie abgeschlossen.

Und woher werden die neuen Zettel des Jahres 2013 stammen? Dies steht noch nicht fest, wird aber im nächsten Monat in einer Runde diskutiert, die aus der Synagogengemeinde, dem Marburger Kulturamt und den Machern des „Zettelkastens“ besteht. Die Zettelkästen seien ein aufwändiges Projekt, betonte Gather.

Das bleibende Archiv des „Zettelkastens“, das auch Teil des Gesamtkonzeptes ist, findet sich im Internet unter www.zettelkasten-marburg.de.

von Angelika Fey

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