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Marburg Friedenspreis für Marburger Zeitschrift
Marburg Friedenspreis für Marburger Zeitschrift
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12:00 04.03.2018
Konfliktforscher Dr. Johannes M. Becker freut sich über den Preis für die Zeitschrift „Wissenschaft & Frieden“. Quelle: Nicole Schäfer
Marburg

„Es ist eine ganz große Ehre“, freut sich der Marburger Konfliktforscher Dr. Johannes M. Becker, der seit der Gründung vor 35 Jahren zum Team der Zeitschrift gehört. Bereits im vergangenen Oktober kam die Benachrichtigung über die Auszeichnung mit dem renommierten Friedenspreis, in wenigen Tagen findet nun die feierliche Verleihung in der Aula der Göttinger Universität statt. Für Becker stellt die Auszeichnung neben der auch nicht ganz unbedeutenden Dotierung mit 3 000 Euro auch eine grundsätzliche Ehrung dar, die er als symbolische Anerkennung hoch einschätzt.

Keimzelle der Zeitschrift lag in Marburger Uni

Das Redaktionsteam und die Macher im Hintergrund freuen sich darüber, den Preis zusammen mit dem ebenfalls geehrten Liedermacher Konstantin Wecker entgegenzunehmen. Eine Gruppe von rund 20 Marburgern wird die Fahrt nach Göttingen antreten. Denn schließlich lag die Keimzelle der Zeitschrift vor 35 Jahren in der Universität Marburg. Beteiligt an der Gründung waren vor allem Mitglieder des Bundes demokratischer Wissenschaftler.

„Der Marburger Soziologe Reiner Rilling hatte 1983 zur Hochphase der Friedensbewegung die Idee“, erläutert Becker. Damals hatte sich in Deutschland eine wachsende Bewegung gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen der Nato in Deutschland gebildet, und die Stimmen für eine weltweite Abrüstung wurden immer lauter.

Eine Zeitschrift, um Einfluss zu nehmen

Die Grundidee hinter der Zeitschrift „Wissenschaft & Frieden“ war, dass es nicht reicht, Raketensprengköpfe zu zählen. Stattdessen sollten auch die Fragen im Vordergrund stehen, wie die Waffen funktionieren und wie man Einfluss nehmen kann. Zu diesem Zweck sollten sowohl Naturwissenschaftler als auch Geistes- und Sozialwissenschaftler Beiträge liefern. Dieses Konzept wurde bis heute beibehalten. Damals gehörten auch die beiden Physiker Olaf Melsheimer und Hans Ackermann zu den Männern der ersten Stunde.

„Es ist unser Anspruch, sowohl die Friedensforschung als auch die Friedensbewegung mit dem Heft zu bedienen“, erklärt Becker. Während die Texte in den Anfangsjahren betont wissenschaftlich gehalten gewesen seien, werde mittlerweile der Fokus auch auf eine breite Verständlichkeit der Texte sowie auf eine Umsetzbarkeit der wissenschaftlichen Erkenntnisse in politisches Handeln gelegt. Hinzu komme ein hoher ästhetischer Anspruch bei der Gestaltung der Zeitschrift.

Hefte mit je einem Themenschwerpunkt

In jedem Heft gibt es einen inhaltlichen Schwerpunkt, der zwischen 40 und 60 Prozent des Seitenumfangs einnimmt. Dieses Generalthema lautet beispielsweise im aktuellen Heft „Eingefrorene Konflikte“. Hauptthemen weiterer Hefte lauteten unter anderem „Politischer Islam, „Moderne Kriegsführung“, „Kinder und Krieg“ „Wege aus dem Wettrüsten“ oder „Kriegsfolgen“.

Ergänzt werden diese Schwerpunkte in der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift durch Artikel zu aktuellen Themen wie beispielsweise Rüstungsexporte, Nordkorea oder US-Präsident Donald Trump. Außerdem wird dargestellt, was sich in den zwölf Trägerorganisationen tut. Dazu zählen unter anderem das Marburger Uni-Zentrum für Konfliktforschung und der ebenfalls in Marburg ansässige Bund demokratischer Wissenschaftler, aber auch andere Organisationen wie ein Berliner Verein für Friedensrecht oder das Forum „Informatiker für den Frieden“ aus Bremen.

Die Auflage liegt bei 1 200 Exemplaren, in der Hochzeit der Zeitschrift waren es bis zu 2 000. Von den Dossiers zu Einzelthemen, die jedem Heft beiliegen, werden teilweise bis zu 10 000 Exemplare zusätzlich gedruckt, die bei bestimmten Anlässen als Sonderdrucke für eine geringe Gebühr zusätzlich verkauft werden.

von Manfred Hitzeroth