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Marburg Sparkasse zieht Fazit zu Roboter-Einsatz
Marburg Sparkasse zieht Fazit zu Roboter-Einsatz
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16:00 19.12.2018
Dr. Peter Franke (von links), Michael Frantz und Professor Jürgen Handke stellten den „Sparkässlern“ vor, wie sich Roboter „Numi“ mittlerweile einsetzen lässt. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Vertreter von Sparkassen aus dem gesamten Bundesgebiet waren nach Marburg gekommen, um sich bei ­Michael Frantz, Marketingleiter des heimischen Kreditinstituts, über die Einsatzmöglichkeiten eines Roboters in ihren Geldhäusern zu informieren.

Unterstützt wurde Frantz ­dabei vom Marburger „Robo-Prof“ Professor Jürgen Handke. Handke war maßgeblich daran beteiligt, dass die Sparkasse ­einen humanoiden Roboter im Kundeneinsatz testet. Der Professor selbst sorgt regelmäßig bundesweit für Schlagzeilen, weil er sich von Robotern in seinen Lehrveranstaltung assistieren lässt. So hat Handke mittlerweile eine „Robotersprechstunde“ ins Leben gerufen, bei der der Roboter mit den Studierenden etwa deren Studienfortschritt „bespricht“. Handkes Idee: Humanoide Roboter sollen „Assistenzfunktionen­ haben und uns so Freiräume schaffen. Dann kann man Personen anders einsetzen und ihnen tiefergehende Arbeiten übertragen.“ Für ihn bedeute dies, dass er seinen Unterricht komplett umgestellt habe.

Numi hat schon einiges gelernt

Während der Vorstellung von „Numi“ im Februar sagte auch ­Andreas Bartsch, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, dass es mit dem Roboter nicht darum gehe, Personal einzusparen. Vielmehr solle der Roboter dutzendfach gestellte Fragen als Assistenzsystem beantworten.

In den vergangenen zehn ­Monaten hat „Numi“ bereits einiges gelernt, wie Dr. Peter­ Franke, Assistent von Jürgen Handke im Roboter-Projekt und Programmierer von „Numi“ verdeutlichte. Mittlerweile kann der Roboter „laufen“ und sich anhand einer eigens erstellten Karte im Raum bewegen. Er kann markierte Punkte in dieser Karte – also etwa einen Kundenschalter – ansteuern. 

Michael Frantz verdeutlicht: „Der Roboter ist jetzt in der Lage, einen Kunden, der kommt, zu fragen, wo er hin will und ihn dann zur Information, zum Berater oder wo auch immer hinzubringen.“
Der Weg dahin ist jedoch recht steinig, wie Franke vorab verdeutlichte. Die Sensoren von „Numi“, einem Vertreter der „Pepper“-Baureihe, entsprächen nicht mehr dem aktuellsten Stand der Technik. So tasteten verschiedene Sensoren wie Laser oder Ultra­schall zwar das Areal vor und neben dem Roboter ab – nicht ­jedoch hinter ihm.

Weitere Sparkassen schaffen Roboter an

Und auch die Programmierung des „kleinen weißen Freundes“ sei nicht leicht – man müsse verschiedene Programmiersprachen beherrschen. Das könne sich künftig ändern, wenn das Betriebssystem der Roboter auf das weit verbreitete­ „Android“-System umgestellt werde. Der Nachteil sei jedoch, dass bereits programmierte Anwendungen nicht übernommen werden könnten.

Das schreckte die Vertreter der anderen Sparkassen jedoch nicht ab – zu groß ist die Faszination, die von „Numi“ und Co. ausgeht, zahlreiche Institute haben sich bereits einen humanoiden Roboter angeschafft – gemeinsam mit Marburg wolle man sich nun austauschen. Haben die Kunden denn keine Angst vor den Robotern? „Ich glaube eher nicht. ,Pepper‘ ist so freundlich von seinem Wesen her, dass er defi­nitiv ein paar schöne Sachen mit unseren Kunden machen wird, die unsere Kunden begeistern wird“, sagte beispielsweise Sven Eschmann von der Sparkasse Köln.

von Andreas Schmidt