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Zahme Pointen

Lisa Politt beim kabarettherbst Zahme Pointen

„Wie geht es uns denn...?“ fragte Lisa Politt in ihrer Show am Samstagabend. Sie präsentierte lupenreines politisches Kabarett - allerdings von der eher zahmen Sorte.

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Entspannt im Hier und Jetzt: Lisa Politt glänzte als Schauspielerin, ihre Texte waren nicht ganz so überzeugend.Foto: Preussner

Marburg. Klar, eine glänzende Schauspielerin ist Lisa Politt allemal. Wie sie sich mit blasierter Miene in ihren Liegestuhl fläzt, die schwarze Perücke auf dem Kopf, wie sie vor sich hin quasselt ohne Punkt und Komma, wie sie die Nase rümpft, wie sie redet und redet - das ist schon ziemlich sehenswert.

Aber die ganz große Begeisterung wollte nicht aufkommen am Samstag im ausverkauften KFZ. Das lag wohl daran, dass ihrem Kabarett die Schärfe, die Bissigkeit, das Überspitzte fehlte. Alles war ganz witzig, aber immer ein bisschen zu zahm. Zunächst lästerte Lisa Politt über die FDP, die ja immer ein dankbares Opfer aller Kabarettisten darstellt. Die FDP sei nur eine „Boygroup“ meinte die Kabarettistin. „Die haben zwar keine Ahnung, sehen aber gut aus.“ Und der Westerwelle sei auch keine Leuchte, sondern nur „ein Außenminister auf Bewährung“. Überhaupt seien die Politiker eine ganz besondere Spezies: „Übertriebene Hirntätigkeit ist bei ihnen nicht zu sehen.“

Dann nahm sie sich Walter Kohl zur Brust, den Sohn von Helmut Kohl, und las aus dessen Biographie vor. Es entstand das Bild eines gehänselten Kindes, das aus einer spießigen Familie stammt und überall zum Außenseiter wird. Auch Hannelore Kohl bekam ihr Fett weg, vor allem, weil sie so gar keine emanzipierte Frau war. Als Lisa Politt Witze über die Krankheit Hannelore Kohls riss, lachte niemand mehr im Publikum.

Im Laufe des Abends kam die Kabarettistin vom Hundersten ins Tausendste: Die Bankenkrise wurde gestreift („Auch ich habe mich auf der Rennbahn verzockt“), die Kandidaten-Troika der SPD wurde aufs Korn genommen, der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann veräppelt. Die Rüstungsexporte deutscher Firmen in Krisengebiete wurden kritisiert („Hilfe zur Selbsthilfe“) und die Nachlässigkeit der heutigen Jugend. Aber alles gemäßigt, wenig zugespitzt.

Immer wieder tauchte Helmut Kohl auf, ein Mann, der im aktiven politischen Leben schon längst keine Rolle mehr spielt („Sitting Bull“, „Ein Mann, auf den man sich verlassen kann“). Ganz aktuelle Themen standen leider nicht auf dem Programm von Lisa Politt. Dennoch gab es am Schluss recht viel Beifall für die Kabarettistin, der vor allem der guten Schauspielerin gegolten haben mag.

von Bettina Preussner

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