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Wortjongleur mit Sprachwitz

Jochen Malmsheimer Wortjongleur mit Sprachwitz

Es ist Samstagabend und im ausverkauften Saal des KFZ wartet das Publikum gespannt auf Jochen Malmsheimer und dessen erstes Soloprogramm. Und die Zuschauer werden nicht enttäuscht.

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Jochen Malmsheimer zog sein Publikum im KFZ zwei Stunden lang mit intelligenten Sprachgeschichten in seinen Bann.Foto: Caroline Döschner

Marburg. Zwei Stunden lang begeistert der gebürtige Bochumer mit viel Wortwitz, Gestik und Charme unter dem Motto „Wenn Worte reden könnten oder: 14 Tage im Leben einer Stunde“. Der mehrfach ausgezeichnete Kabarettist ist vielen Zuschauern aus dem TV-Format „Neues aus der Anstalt“ mit Urban Priol oder durch Malmsheimers CD-Produktionen bekannt. Somit ist klar, dass er auf der Bühne Sinn und Unsinn von Sprache aufdecken will.

Wie mit der Geschichte des Lokomotiv-Kaufes für seinen Sohn bei einem bekannten Spielzeughersteller. Dieser Kauf wird zur ersten Sprachjonglage des Abends. Da dort „semipermeable Fachverkäufer durch die Regalreihen diffundieren“, aber nur die Verkäufer. „Ergo - also“, bitte nicht nachmachen! Das Wörtchen „ergo“ sei auch typisch für das Ruhrgebiet, so Malmsheimer, das „kann man einfach immer sagen“. Menschen des Ruhrgebiets würden auch noch Sachen sagen wie „also-also“, also vor das „also“ kommt noch ein also. Dies verwirre Menschen jenseits des Ruhrgebiets nur noch mehr.

Die Sprache des Ruhrgebiets habe aber noch mehr zu bieten. Die Oma wird liebevoll „­Ommma“ genannt. Sätze wie „ob dat ma…“ oder „Kenn i mi nie mehr“ sind dort an der Tagesordnung. „Früher war eben alles besser!“ - wie Malmsheimers Großmutter nun sagen würde. Zwischen einzelnen „Geschichten“ baut Malmsheimer geschickt Situationswitze ein, beispielsweise „Manchmal ist der Unterschied zwischen totem und stillem Wasser schmeckbar.“ Oder wenn einzelne Zuschauer ihren Gefühlen freien Lauf lassen und hemmungslos lachen müssen. „Ich bin ganz bei Ihnen“ - so Malmsheimer zu einer Zuschauerin, als es darum ging, an das „erste Mal“ zu denken. So beweist der Kabarettist auch seine „Stand-Up-Comedy“-Fähigkeiten.

Er ruft Erinnerungen an die 70er Jahre wach, indem er Partys in grauen Kellerräumen aufleben ließ oder typische 70er-Dinge aufzählte wie Nappo, Ahoi-Brause, Nudelsalat, beißende Hüfthalter und das „orangene, moosgrüne oder eierschalenfarbene“ Telefon.

Kurz vor Ende, als man sich schon fragt, was das alles mit Malmsheimers Programm zu tun hat, erzählt er die Geschichte „Wenn Worte reden könnten“. „Was machen Worte, wenn sie ausgesprochen wurden? - Sie gehen in die Kneipe.“ Und wenn Worte in die Kneipe gehen, bestellt sich das Semikola eine Kola, da reiben sich die Reibelaute unter den Tischen aneinander und regen sich über ihren ständigen Begleiter, den Artikel, auf.

Dabei verknüpft der Kabarettist Jochen Malmsheimer kunstvoll die linguistischen Merkmale von Präpositionen, Artikeln oder den Nasalen M und N. Ihre Merkmale werden menschlich. In der Kneipe wird es natürlich durch jedes neu ausgesprochene Wort immer voller und voller. Als dann das Wort „Eichhörnchenschwanz“ durch die Dialekt-Presse“ verunschönt wird, wird die Atmosphäre immer hitziger - weil man als Wort durch Dialekte seinen Wort-Wert verliert. Wörter haben also doch ein eigenes Leben. Und Malmsheimer kommt zum Fazit, „wenn Wörter reden könnten, könnten Zahlen rechnen.“ Dieser Sprachwitz kommt beim Publikum an, das ihm mit tosendem Applaus dankt, was Malmsheimer mit einer Zugabe belohnt.

von Caroline Döschner

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