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Marburg Gedenken an verstorbene Besucher der Tas
Marburg Gedenken an verstorbene Besucher der Tas
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12:00 01.12.2018
Ein Ausspruch des Arztes und Theologen Albert Schweitzer ziert die Gedenktafel in der Gisselberger Straße. Quelle: Tim Goldau
Marburg

„Diese Menschen wurden häufig anonym und ohne ausreichende Würdigung bestattet“, sagte Helmut Kretz vom Diakonischen Werk Marburg-Biedenkopf. Elf Besucher der Tagesaufenthaltsstätte seien in diesem Jahr gestorben. Eingeladen zur Gedenkveranstaltung waren Spender, politisch und behördlich Verantwortliche sowie Vertreter weiterer Hilfsorganisationen wie der Aids-Hilfe in Marburg.

Ulrich Kling-Böhm, Geschäftsführer der Wohnungsnotfallhilfe und Pfarrer, hielt am Zaun vor dem Gebäude in der Gisselberger Straße eine kurze Andacht. An diesem Zaun wurde im vergangenen Jahr eine Gedenktafel für die verstorbenen Besucher der Einrichtung angebracht. Mit dieser Tafel wollte man einen Ort des Gedenkens schaffen. Die Andacht begann mit dem berührenden Lied „Into my arms“ von der Band „Nick Cave & The Bad Seeds“. In dem Lied heißt es unter anderem, wenn es einen Gott gibt, soll er dich in seine Arme nehmen.

Auch wenn man nicht das Leben der Verstorbenen habe retten können, so könne man dennoch auf die Schicksale der Menschen aufmerksam machen. So seien bei zwei der Verstorbenen verschmutztes Heroin die Todesursache gewesen. „Obwohl in Marburg im vergangenen Jahr kein Wohnungsloser an Gewalt gestorben ist, nimmt die Gewalt an diesen Personen spürbar zu“, meinte Kling-Böhm. Es gebe aber immer auch Menschen, die sich für sie einsetzen würden.

Tas bietet Betten für Notfälle

Laut Kretz bietet die Tagesaufenthaltsstätte in der Gisselberger Straße seit mittlerweile 25 Jahren den Besuchern unter anderem die Möglichkeit, sich dort zu duschen oder ihre Wäsche zu waschen. Und auch ­eine Notfallübernachtungsstätte sei in dem Gebäude vorhanden. Geschäftsführer Kling-Böhm meint, dass täglich rund 50 Menschen die Angebote des Hauses wahrnehmen.

„Die Zahl der Wohnungslosen ist stark ansteigend“, sagte er. Wohnungslose müsse man jedoch von Obdachlosen unterscheiden. Während Obdach­lose keinerlei Wohnraum zur Verfügung haben, würden Wohnungslose vor allem eine unsichere Wohnsituation haben. So kämen diese beispielsweise immer nur zeitweise bei Freunden unter, müssten sich dann aber wieder eine neue Wohnmöglichkeit suchen.

Von Wohnungslosigkeit Betroffene stammten häufig aus schwierigen familiären Verhältnissen, hätten traumatische Erlebnisse gehabt oder litten unter Armut. Die Zahl der Wohnungslosen sei deutlich größer als die der Obdachlosen.

Kling-Böhm meint, dass die Zusammenarbeit mit der Stadt Marburg hinsichtlich der Wohnungslosenhilfe gut sei. Allerdings bemängelt er, dass es zu wenig Wohnraum für bedürftige Personen gebe. So müsse man auch mehr Wohnraum schaffen, wo man kurzfristig unterkommen könne. In dieser Hinsicht sieht er vor allem die Wohnungsbaugesellschaften in der Pflicht. „Es ist nicht gut, wenn man sie alle zusammen isoliert in einem Wohnheim unterbringt. Besser ist es, sie in die Nachbarschaft zu integrieren“, sagt Kling-Böhm.

von Tim Goldau