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Marburg „Wir malen uns unseren Sommer selber“
Marburg „Wir malen uns unseren Sommer selber“
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06:15 25.07.2012
„Sommerakademie transparent“ heißt, Dozenten und Teilnehmern bei der Arbeit über die Schulter schauen zu können. Quelle: Nadja Schwarzwäller
Marburg

Bildhauerei und Zeichnen, Schauspielerei und Komik - 23 Kurse und mehr als 320 Teilnehmer stark ist die Marburger Sommerakademie in diesem Jahr. Wie es dort hinter den Kulissen, in den Werkstätten und an den Staffeleien zugeht, können Interessierte alljährlich an einem Tag der offenen Tür erleben, der hier „Sommerakademie transparent“ heißt. Am Freitag war es wieder so weit.

Die Besucher konnten sowohl auf eigene Faust als auch in geführten Touren über das Akademiegelände den Dozenten und Teilnehmern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. „Es gibt viele tolle Sachen zu gucken“, sagte die künstlerische Leiterin Tina Stolt und zog nach zwei von drei Wochen Sommerakademie bereits eine durchweg positive Bilanz: „Alles super!“ Die Stimmung sei entspannt und das Wetter zum Arbeiten sogar eigentlich gut, weil eben nicht zu heiß. „Wir malen uns unseren Sommer dieses Jahr selber“, lautete ihre Ansage an die Besucher.

Bürgermeister Dr. Franz Kahle scherzte, in diesem Jahr stünden „Aquarelle“ im Vordergrund. Und auch die Teilnehmer nahmen die unbeständige Witterung und den ständig wiederkehrenden Regen mit Humor. Er habe schon gehört, dass Marburg eine sehr grüne Stadt sei - und nun wisse er auch warum, erklärte Maxcence Pineau aus Poitiers augenzwinkernd. Der 19-Jährige hat vor wenigen Wochen sein Abitur bestanden und nutzt den Kurs „Architekturzeichnen“ als Vorbereitung auf sein Studium, das im Herbst beginnen wird.

Pineau und die 29-jährige Fanny Guérineau, Absolventin der Bildenden Künste, sind die beiden Stipendiaten, die in diesem Jahr aus Poitiers zur Sommerakademie gekommen sind. Bereits zum achten Mal hat die Stadt Marburg Stipendien in die französische Partnerstadt vergeben. Zum zweiten Mal sind mit der Unterstützung des „Freundeskreises Marburg - Sibiu“ auch zwei Stipendiaten aus Rumänien an die Lahn gereist: Ioan Aganencei und Ovidiu Ionel Darabant, 1984 und 1988 geboren und beide Tänzer.

Gemeinsam haben sie den Kurs „Clown - Komik - Humor-Werkstatt“ belegt, der am Freitag vor rund 150 Zuschauern eine Abschlussaufführung in der Turnhalle der Elisabethschule zeigte. „Es ist eine tolle Erfahrung und ich hoffe, wir haben auch etwas aus unserer Stadt hierher mitgebracht“, sagte Ioan Aganencei. „Wir können uns glücklich schätzen“, bestätigte Fanny Guérineau. Alle vier Stipendiaten sind zuvor noch nie in Marburg gewesen und auf die Frage, ob sie wiederkommen werden, gibt es sofort „Daumen hoch“ zu sehen und ein begeistertes „Yeah!“ zu hören.

Nicht nur die Stipendiaten, auch die restlichen Teilnehmer hatten und haben ihren Spaß bei der Sommerakademie. Die 22-jährige Luisa Junk aus Hassenhausen beispielsweise versucht sich erstmals in der Bildhauerei. Die angehende Erzieherin hat schon einmal mit Speckstein gearbeitet und sich deshalb für diesen Kurs ­entschieden, erzählt sie. In dieser Woche laufen beziehungsweise beginnen die letzten Kurse, bevor die Sommerakademie am Freitag ihre Pforten wieder ­schließen wird. Interessenten für das kommende Jahr gibt es aber bereits jetzt.

Und alle, die noch einmal ein bisschen „Akademieluft“ schnuppern wollen, haben am morgigen Dienstag um 19:30 Uhr Gelegenheit: „PLAY zeigt LAC“. Die Performance für zwei Tänzer wird im Marburger Kunstverein aufgeführt. Maya Brosch, Dozentin des Kurses „Zeitgenössischer Tanz - Tanztheater“ zeichnet für die Choreographie verantwortlich.

von Nadja Schwarzwäller