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Marburg „Wir gedenken, wir mahnen, wir bitten“
Marburg „Wir gedenken, wir mahnen, wir bitten“
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17:34 29.06.2014
Die Kurhessische Kantorei erinnerte unter der Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum (oben) gemeinsam mit den Schauspielern Christine Reinhardt und Thomas Streibig an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs.Fotos: Michael Hoffsteter Quelle: Michael Hoffsteter
Marburg

Kritische Erinnerungen, aufrüttelnde Gedanken und eine gezielte Auseinandersetzung mit den Schrecken und Auslösern des Ersten Weltkrieges standen am Samstag im Mittelpunkt des Gedenkkonzerts der Kurhessischen Kantorei Marburg. Auf eine außergewöhnliche Weise gingen die Veranstalter der Frage nach der heutigen Haltung dem Krieg gegenüber nach. Mit einer multimedialen Collage aus starken visuellen und akustischen Eindrücken gedachten sie den Schrecken jener Zeit.

Genau 100 Jahre nach dem Attentat von Sarajevo, der Ermordung des österreichischen Thronfolgers am 28. Juni 1914, fand die aufrüttelnde Gedenkveranstaltung in der Lutherischen Pfarrkirche statt. Aussagekräftiges Thema und Leitgedanke war das bekannte Zitat des französischen Schriftstellers und Politikers Henri Barbusse aus dem Jahr 1916: „Keinen Krieg mehr, keinen Krieg mehr. - Ja, es ist genug.“ Das Programm, gemeinsam gestaltet von Kantorei und Schauspielern des Hessischen Landestheaters beinhaltete neben musikalischen Passagen auch zahlreiche zeitgenössische Texte, Tondokumente und Bilder. Thematisch zugeordnete Kompositionen von Reger, Eisler, Puccini und andern wechselten mit Lesungen von Originaltexten aus der Kriegszeit.

Organisiert wurde das Gedenkkonzert von einer Arbeitsgruppe der Kantorei rund um Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum. Die Schirmherrschaft übernahm Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel. „Wir gedenken, wir erinnern, wir mahnen und wir erbitten. Ja, es ist genug“, beschreibt Maibaum den Tenor der Veranstaltung, die ausdrucksstarke Musik, Lesungen, bildhafte Eindrücke und auch stille Momente verband.

Bereits im Eingangsbereich überraschten die Akteure die Besucher mit einer dramatischen Montage aus musikalischen Beiträgen und nachdenklichen Texten zeitgenössischer Autoren.

Sie zeigten den verblendeten Wahn und die Realität hinter aufpeitschenden politischen Reden und setzten sich mit politisch geprägter Marschmusik und Propaganda auseinander. Sätzen wie „Süß und ehrenvoll ist es für das Vaterland zu sterben“ stellten sie eine Beschreibung der Kriegsfront in allen blutigen Einzelheiten gegenüber. Es folgten Ausschnitte aus einer Kriegspredigt eines Marburger Theologen sowie kriegerische Gedanken eines Marburger Schuldirektors.

Choreinlagen traten schließlich in einen Dialog mit instrumentalen Stücken, kurzen Vorträgen und Bildern, reagierten aufeinander, drückten anhaltend Stimmungen, Hoffnung, Begeisterung, Schrecken und Verblendung aus. Durchdringende Töne beschrieben die anfängliche nationale Begeisterung für den Krieg, während leisere, dramatische Töne die Schrecken der Realität und den beginnenden Untergang aufzeigten. Kurze Momente der Stille begleiteten wiederum das Gehörte.

Auszüge ausgewählter Feldpost, gelesen von den Schauspielern Christine Reinhardt und Thomas Streibig, drückten deutlich das unvorstellbare Leid und die Erfahrungen der Frontsoldaten wie auch der Daheimgebliebenen aus. Zeilen aus Peter Englunds „Schönheit und Schrecken. Eine Geschichte des ersten Weltkrieges, erzählt in 19 Schicksalen“ demonstrierten anschaulich die verschiedenen Perspektiven der kriegsgebeutelten Bevölkerung.

Das Zusammenwirken der Texte, Musik, Filme und Bilder verfehlte ihre beeindruckende Wirkung nicht. Nachdenklich und in vollkommen stiller Anteilnahme verfolgten weit über 100 Gäste die aufrüttelnde Gedenkveranstaltung.

von Ina Tannert

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