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Marburg „Willkommen in meinem Wohnzimmer“
Marburg „Willkommen in meinem Wohnzimmer“
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18:36 02.06.2017
Bodo Wartke hatte sein Wohnzimmer mit ins Marburger Erwin-Piscator-Haus gebracht. Dort ­begeisterte er seine Fans mit gekonntem Klavierkabarett. Quelle: Miriam Prüßner
Marburg

„Willkommen in meinem Wohnzimmer“, begrüßte Bodo Wartke seine gut 1000 Zuhörer in der die bis zum letzten Platz gefüllten Halle. „Am liebsten spiele ich in meinem Wohnzimmer, deshalb habe ich es einfach mal mitgebracht.“ Inmitten von Lampen, Pflanzen, drapierten Tischen und Regalen setzte er sich in Anzug und Weste gekleidet an seinen Flügel und sang von Liebe und Ängsten, von kleinen und großen Emotionen.

Der in Hamburg geborene und heute in Berlin lebende Klavierkabarettist erspielt sich eine stetig wachsende Fangemeinde. Ein Grund: Er ist ein sehr vielseitiger Künstler und begeistert mit heiter ironischen Texten und intelligenter Wortakrobatik.

Humorvolle Lieder, gesellschaftskritische Texte und tiefsinnige Anstöße: In seinem ausgewogenen Programm schaffte­ Wartke einen beeindruckenden Spagat zwischen situativer Komik über die Irritationen des Lebens und musikalischer Virtuosität in seinem hervorragenden Klavierspiel. Wartke hielt die Balance zwischen ernsten Texten und komischen Szenarien, zwischen intelligentem Humor und trockenen Witzen, zwischen selbstironischem Kabarett und seinem einzigartigen­ Talent, mit Worten zu spielen. Das alles umrahmte er mit faszinierendem Klavierspiel von Jazz bis Swing, das mehr als nur ­Begleitmusik war.

Zwischen Humor und Melancholie

Neben seinem sarkastischen Humor in Alltagssituationen­ thematisierte Wartke auch ­immer wieder den Prozess des ­musikalischen Komponierens. Besonders viel Applaus erntete er mit einer Hommage an den Gangster-Rap sowie einer Neuinterpretation der Rache­arie aus der Zauberflöte. Mit einfachem Text und transponierten Akkorden sang er die bekannte Arie der Königin Nacht auf seine eigene, urkomische Art und Weise.

Neben solchen humorvollen Momenten schuf der Klavierkabarettist aber auch Raum für tiefgreifende Fragen und melancholische Stimmung. Mit Standing Ovations belohnt wurde seine Komposition „Nicht in meinem Namen“. „Wenn ich ein Gott wär“, sang Wartke, „würdet ihr nicht in meinem Namen handeln.“ In dem Lied erzählte von Flucht, Vertreibung, Hass, Grausamkeit und von Verständnislosigkeit. „Tu, was du tust, aus Liebe. Tu es nicht aus Angst“, appellierte er.

Unterhalten, aber auch zum Nachdenken anregen: Das scheint sich Wartke auf die Fahne geschrieben zu haben und endete mit „Das falsche Pferd (Was, wenn doch?)“. Er sang von Träumen für die Zukunft und fragte sich: „Was wenn ich es schaffe, meine Wünsche zu verwirklichen? Was, wenn doch?“ Mit Standing Ovations gefeiert und nach mehreren Zugaben verabschiedete sich Wartke von seinem begeisterten Publikum. Anschließend gab er geduldig Autogramme im Foyer.

Bodo Wartke blickt inzwischen auf eine fast 20-jährige Karriere zurück. „Was, wenn doch“ ist sein fünftes Klavierkabarettprogramm. Neben altbekannten Klassikern schafft er es immer wieder mit neuen Stücken und Texten zu begeistern und verblüffende Denkanstöße in wortgewandter Sprachkunst zu geben.

von Julia Mädrich

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