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Marburg Willi Weitzel feiert gelungenes „Heimspiel“
Marburg Willi Weitzel feiert gelungenes „Heimspiel“
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21:55 28.02.2018
Aus Kirchhain war eine Gruppe Sternsinger gekommen. Ihre Sammelaktion spielte eine wichtige Rolle in Willi Weitzels (hinten im Bild) Vortrag. Nach der Multi-Media-Show des TV-Stars ließen sie sich gemeinsam fotografieren. Quelle: Manfred Schubert
Marburg

Jubelnder Beifall erklang am Sonntag im Erwin-Piscator-Haus. Etwa 600 Besucher im Alter von acht bis 80 Jahren hatten dem durch die Fernsehsendung „Willi will‘s wissen“ bekannt gewordenen Willi Weitzel knapp drei Stunden lang zugehört, wie er, unterstützt von Fotos und kurzen Filmen, von seinen neuen Abenteuern auf „Willis wilden Wegen“ berichtete.

Spannend und spaßig erzählend verstand es Willi Weitzel, sein Publikum zu fesseln, als er zunächst von seinem, schließlich von Erfolg gekrönten, Versuch berichtete, als Tierfotograf ein perfektes Foto von einem Grizzlybären in der Wildnis Alaskas zu schießen.

Aber Willi wäre­ nicht Willi, wenn der studierte Hauptschullehrer nicht auch versuchen würde, seinem jungen Publikum auf verständliche Weise etwas zu vermitteln. Ständig hört man vom Klimawandel, doch so richtig am eigenen Leib zu spüren bekommen die Folgen dieses vor allem von den reichen, industrialisierten Ländern verursachten Phänomens die Menschen in armen Ländern. Willi führte den Besuchern vor Augen, dass ihre Altersgenossen in Nordkenia nichts zu trinken haben, weil dort mittlerweile eine Dürre auf die andere folgt.

Kirchhainer Sternsinger helfen Kindern in Kenia

Er zeigte ein Foto von einem Mädchen, das mit bloßen Händen nach Wasser gräbt, einem anderem half er, wobei er bald schlapp machte, Wasserkanister in ihr Dorf zu tragen. Die vielleicht 9-Jährige dagegen lief mit nackten Füßen unbeirrt über die 63 Grad Celsius heiße Erde. Und eine Schulklasse saß bei 40 Grad im Schatten im Unterricht.

Unter den Zuhörern waren 47 Sternsinger aus Kirchhain. ­Willi, einst ebenfalls Sternsinger, hatte schon mehrfach Filme zu deren Sammelaktionen gedreht. Die Kirchhainer freuten sich sehr, als sie in dem Vortrag sahen, dass das unter anderem von ihnen gesammelte Geld diesen Kindern vom Stamm der Turkana half, indem damit neue Brunnen gebaut wurden. Nach der Show ließen sie sich gemeinsam mit Willi fotografieren.

Nach der Pause zeigte Willi zunächst, dass auch er unter Ängsten leidet. Einer dieser Ängste­ hat er sich gestellt, indem er nach langem Zögern den Ammersee, an dem er jetzt wohnt, durchschwamm: „Bis dahin bin ich nie weiter als 20 Meter vom Ufer weg geschwommen, weil ich Angst vor dem habe, was in der Tiefe sein könnte.“

Sehr lustig wurde es bei Willis letztem Abenteuer „Mein wilder Weg nach Hause“, das zum Teil in unserem Landkreis spielte. Mit verbundenen Augen fuhr ihn Anfang November sein Bruder Manuel, der in Kirchhain-Langenstein wohnt, im Auto eine Stunde lang an einen unbekannten Ort, nahm ihm Handy, Geld und Uhr ab, alles also, was beim Heimkehren helfen könnte. Dann sollte Willi zu Fuß nach Hause zurückkehren.

Bald erfuhr er, dass er gar nicht mehr in Hessen, sondern im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen war, und machte sich auf den Heimweg. Eigentlich hatte er sich als Wandersmann ausgeben wollen, um keine Vorteile bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten zu haben, doch trotz Bart und Mütze wurde er immer wieder als ­„Willi“ erkannt, erfuhr mehrmals herzliche Aufnahme und wurde bestens versorgt. In Münchhausen etwa übernachtete er beim Ehepaar Vajen und in Rauschenberg erlebte er in der Werkstatt des Busunternehmens Schein eine „rauschende Nacht“. Der Chor „725 Jahre Rauschenberg“ verlegte sogar spontan seine Probe dorthin.

So gut wie alle, die er auf seiner Wanderung getroffen hatte, waren am Sonntag zum Vortrag nach Marburg gekommen und meldeten sich auf seine Nachfrage. Als er nach drei Tagen in Langenstein ankam, sagte Willi, habe er verstanden, was er unterwegs auf einer Hauswand gelesen habe: „Du bist dort zu Hause, wo sich dein Herz daheim fühlt.“

von Manfred Schubert