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Marburg Wilder Ritt durch die Musikgeschichte
Marburg Wilder Ritt durch die Musikgeschichte
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18:44 24.04.2017
Versprühen in Lumpen gehüllt gute Laune: „The Les Clöchards“ boten in der Waggonhalle eine schweißtreibende Hammershow. Quelle: Jan Bosch
Marburg

Wie gewohnt rockten sich die „Clöchards“ am Freitagabend in zerrissenen Lumpen und löchrigen Schuhen durch die Musikgeschichte. Ihr Sound ist eine wilde Irrfahrt durch alle Stile der Musik.

Die Mitglieder der fünfköpfigen Formation sind allesamt studierte Musikwissenschaftler, die es sich als vermeintliche korsische Inselbewohner in Vagabunden-Outfit zum Ziel gemacht haben, Klassiker der Rock- und Popgeschichte in ihre Einzelteile zu zerlegen und daraus ein ausgiebiges Tanz­event zu machen. Dabei lassen sie keinen Stein auf dem anderen und überraschen sogar hartgesottene Musikfans mit Versionen, die den Originalen die Schau stehlen. Irgendwie stamme das alles ja scheinbar auch von ihnen, so zumindest die Behauptung der Band, die anderen hätten die Songs geklaut, verändert und leider 
auch schneller veröffentlicht.

Die turbulente Bühnenshow ist in jedem Fall ein wüster Ritt. Neben obligatorischen Hardrocknummern gröhlen die Fünf irische Sauflieder, schrammeln melodischen Country oder ­lassen das Publikum mit einer­ schmalzigen Ballade dahinschmelzen.

Hohes musikalischem Niveau und große Show

„The Les Clöchards“ gehören zu diesem Typus unwiderstehlicher und allumfassender Begeisterer aller Zuschauer. Mit ihrer Bühnenperformance treiben die fünf Sound-Vagabunden ihr Publikum durch die drei Stadien der Verzückung: Staunen, Wallung, Ekstase.

Ob mit dem Sinatra-Klassiker „These Boots Are Made for Walkin’“ oder der Dirty-Dancing-Schmonzette „Time of my Life“­ – vom ersten schrägen Ton an bringen sie die Menge in der Waggonhalle zum Kochen. Auf der Bühne geht’s ähnlich turbulent zu. Das Mikro fliegt in wilden Kreisen durch die Luft, Leadsänger Michael Erbach tänzelt in Mick-Jagger-Manier über die Bühne und Dobro-Spieler Erik Jünge verwindet sich mit seiner Klampfe in immer wilder werdenden Soli. Auf hohem musikalischem Niveau ziehen die Jungs eine große Show mit großer Musik ab, „Like a Virgin“, „Sledgehammer“, „Is this Love“ – nichts wird hier ausgelassen.

„The Les Clöchards“ bieten den Marburgern wieder eine schweißtreibende Hammershow, nur bei der Version des Motörhead-Klassikers „Ace of Spates“ hätte sich Lemmy Kilmister, Gott hab ihn selig, wahrlich im Grabe umgedreht.

von Jan Bosch

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