Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Widerstand – ganz still und leise

Landestheater-Premiere: „Bartleby“ Widerstand – ganz still und leise

Uraufführungen an kleinen Bühnen wie dem ­Hessischen Landestheater Marburg sind selten. Am Samstag steht bereits die zweite der Spielzeit bevor: „Bartleby“ – eine „Intervention“ von Dirk Raulf und Martin Schulze.

Voriger Artikel
Abenteurer, Vogelfreunde und Lyriker
Nächster Artikel
Falsche Bilanzen und geklautes Geld

Das Foto zeigt eine Szene mit Karlheinz Schmitt und – im Hintergrund – Lene Dax aus „Bartleby“ nach einer Erzählung von Herman Melville.

Quelle: Neven Allgeier

Marburg. Mit seinem Roman „Moby Dick“ hat sich der US-amerikanische Schriftsteller Herman Melville (1819 – 1891) unsterblich gemacht.

„Moby Dick“, zu Melvilles Lebzeiten ebenso kaum beachtet wie seine anderen Bücher, zählt heute zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur. Im Vergleich dazu ist die Erzählung „Bartleby, der Schreiber“ aus dem Jahr 1853 hierzulande nahezu unbekannt, obwohl sie nach Ansicht vieler Kritiker die beste Erzählung Melvilles ist und als früher Vorläufer existenzialistischer und absurder Literatur verweist – auf Kafka etwa.

In Melvilles Erzählung ist Bartleby ein Schreiber, der für einen Rechtsanwalt in einem lichtlosen Büro in der Wall Street unermüdlich Verträge kopiert, alle anderen Arbeiten aber mit dem Satz „I would prefer not to“ ablehnt. Am Ende stirbt er in einem Gefängnis, weil er dort mit seinem Satz „Ich möchte lieber nicht“ jede Kommunikation und jede Nahrung, letztlich also das Leben, ablehnt.

Um diesen zentralen Satz – „Ich möchte lieber nicht“ – kreist die „Intervention“ von Dirk Raulf und Martin Schulze. Für beide ist die Uraufführung ihre erste Arbeit am Hessischen Landestheater. Martin Schulze ist ein freier Regisseur aus Köln. Er hat an großen deutschen Theatern inszeniert, am Schauspiel Frankfurt ebenso wie am Deutschen Nationaltheater in Weimar oder den Staatstheatern in Kassel und Braunschweig. 2009 wurde er für seine „Hamlet“-Inszenierung in Kassel von der Fachzeitschrift „Theater heute“ als „Bester Nachwuchskünstler“ nominiert.

„Eine Formel von revolutionärer Kraft“

Der Komponist und Musiker Dirk Raulf lebt ebenfalls in Köln. Er komponiert für Schauspiel, Film, Hörspiel und Tanz, inszeniert Liederabende und Hörspiele und betreibt ein eigenes Plattenlabel. Die beiden stellen die Fragen in den Vordergrund: Was, wenn es dir gleichgültig wäre? Beobachtet zu werden. Kommentiert zu werden. Erwartungen zu erfüllen. Erwartungen zu enttäuschen. Jobs zu erledigen. Jobs hinzuschmeißen.

Für sie ist Bartlebys Satz „Ich möchte lieber nicht“ „eine Formel von revolutionärer Kraft“, Bartleby schleiche sich „als Säulenheiliger des passiven Widerstands immer wieder in den politischen Diskurs zurück“, so das Landestheater. Raulf und Schulze greifen in ihrer Inszenierung sowohl auf die originale Erzählung „Bartleby, der Schreiber“ als auch auf Texte zurück, die eigens für die Produktion im Auftrag für das Theater Marburg verfasst wurden.

Auf der Bühne stehen Lene Dax, Insa Jebens, Karlheinz Schmitt und Michael Köckritz, der kurzfristig für den erkrankten Jürgen Helmut Keuchel einspringt. Dessen Ausfall trifft das Theater hart: Bereits am Mittwochabend wurde er kurzfristig in der Slapstick-Komödie „Der eingebildete Kranke“ durch den Dramaturgen Simon Meienreis ersetzt. Das Theater hofft, dass Keuchel kommende Woche wieder auf dem Damm ist, denn dann stehen Shakespeares Komödie „Was ihr wollt“, Dirk Lauckes Polit-Stück „Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute“ und der Musical-Publikumshit „Cinderella“ auf dem Spielplan. In allen spielt Keuchel mit.

  • Die Premiere am Samstag, 14. Januar, um 19.30 Uhr in der Black Box im Theater am Schwanhof ist ausverkauft. Mit etwas Glück gibt es Restkarten, die nicht abgeholt werden. Weitere Vorstellungen sind am 19. Januar, 1.,7.,18. und 19. Februar um 19.30 Uhr.

von Uwe Badouin

 
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel