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Marburg Westumfahrung stößt auf Skepsis
Marburg Westumfahrung stößt auf Skepsis
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00:17 10.11.2018
Die Kreisstraße 78 zwischen Elnhausen und Dagobertshausen – gibt es künftig eine Doppel-Ortsumgehung, die sowohl der Entlastung dieser wie auch Haddamshausens, Hermershausens sowie der Innenstadt und Nordstadt dienen soll?  Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die Pläne der Stadt-SPD wertet zumindest Ludwig Schneider, Ortschef von Ockers­hausen, langfristig als positiv. „Es geht in die richtige Richtung, um die Stadtteile zu entlasten, aber es wird zu lange dauern“, so seine Einschätzung. Man brauche eine schnelle­ ­Lösung, „um den Verkehr zu verdrängen – und das nicht erst in zehn bis 15 Jahren“. Der Magistrat erkennt in dem SPD-Vorschlag die „mittelfristige Lösung für weniger Verkehr in den betroffenen Gebieten“ (Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies) und eine „Entlastung für die gesamte Stadt“ (Bürgermeister Wieland Stötzel). Die Ketzerbachgesellschaft, die einen Straßenneubau vor kurzem anstieß, begrüßt die politische Initiaitve.

Die Ortsbeiräte in den westlichen Stadtteilen­ sind kritischer. „Ich halte­ davon nichts und bin strikt dagegen – das würde zu noch mehr Belastung führen, alleine durch den Industrieverkehr. Wenn man jetzt die Straße noch weiter ausbaut, haben wir noch mehr davon“, sagt Peter Reckling, Ortsvorsteher von ­Dagobertshausen, der „andere­ Alternativen“ fordert. Neben ­einem erhöhten Lärmaufkommen befürchtet mancher Ortssprecher zudem einen zu massiven Eingriff in die Natur, etwa in Elnhausen – Ortsvorsteher Jan von Ploetz sieht das „problematisch, das bekommt man doch nie genehmigt“. Er bezweifelt zudem, dass ausreichend Platz zur Verfügung stünde, „wir haben hier ein richtiges Nadelöhr“. Das Vorhaben würde daher „keine Unterstützung“ aus dem Ortsbeirat erhalten. Mit Verständnis und Skepsis zugleich reagiert Hubert Detriche, Ortsvorsteher von Hermershausen: „Wir schreien nicht hurra, sagen aber auch nicht grundsätzlich nein – ich sehe ein, dass Alternativen geschaffen werden müssen“. Das Vorhaben müsse nun erst einmal diskutiert werden, „wir wissen, dass etwas passieren muss, aber es geht um das Wie“, sagt Detriche.

Die SPD schlägt indes begleitende Lärmschutz-Installationen vor, speziell entlang der Stellen, wo der mögliche „Allnatalweg“ wieder auf die Bestands-Strecke trifft. „Da ist bei der konkreten Planung ja vieles denkbar“, sagt Matthias Simon, SPD-Fraktionschef mit Verweis auf eine auf die Diskussion folgende Bürgerbeteiligung. Grundsätzlich handele sich bei dem Straßenbauvorhaben um einen „minimalen Eingriff bei maximalem Nutzen“.

Die SPD-Stadtverordnete Sonja Sell verweist darauf, dass die Westumfahrung nicht nur den rund 5000 Mitarbeiter zählenden Behringwerken in Görzhausen, den Ein- und Auspendlern, sondern auch dem gewerblichen Ausbau von Gisselberg zugutekäme. „Und somit bringen die neuen Straßen wieder mehr Ruhe in die Orte“, sagt sie speziell mit Verweis auf das seit Jahren über zunehmenden Verkehr klagende Dagoberthausens sowie Elnhausen, aber auch Hermershausen und Haddamshausen. Die Sozialdemokraten versprechen sich von der Westumfahrung, die rund sechs Kilometer lang sein soll, eine merkliche Verkehrsreduzierung in der Innenstadt und Nordstadt.

Hintergrund des Vorschlags ist die bevorstehende Verkehrsvermehrung nach Entstehung der zusammen wohl mehr als 1300 Neu-Bewohner zählenden möglichen Wohngebiete im Stadtwald und der Marbach sowie der perspektivischen Ausdehnung des Pharmastandorts.

Nach einer Machbarkeitsstudie und entsprechenden Vorplanungen will die SPD das Westumgehungs-Vorhaben in den neuen mittelhessischen Regionalplan verankern.

von Björn Wisker und Ina Tannert