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Werke von Jean Kleeb uraufgeführt

"Vaterunser" vertont Werke von Jean Kleeb uraufgeführt

Für Bach oder Haydn war dies noch Alltag. Kompositionen, die für einen speziellen Anlass entstehen findet man heute jedoch nicht mehr oft. Der Marburger Jean Kleeb hat jetzt das „Vaterunser“ vertont

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Vielseitig: Der Marburger Jean Kleeb ist Chorleiter, Musiker und Komponist zugleich.Foto: Mareike Bader

Marburg. Der Marburger Chorleiter und Musiker Jean Kleeb verfasste zwei unterschiedliche Vertonungen, die am Sonntag ihre Uraufführung feierten. Die Kurhessische Kantorei, die Kleebs Werke sang, feierte in diesem Gottesdienst ihr 20-jähriges Bestehen. Das Thema „Vaterunser“ war als 3. Hauptstück des Chores anlässlich der Lutherdekade geplant: Reformation und Kirchenmusik zogen sich den gesamten Gottesdienst. Vom Orgelspiel, über die Predigt und den Liedern der Gemeinde bis eben hin zu den beiden Uraufführungen.

Neben den Auftritten der Kurhessischen Kantorei sorgte auch der Frankfurter Professor Martin Lücker an der Orgel für die musikalische Untermalung mit den beiden Teilen „Vater unser im Himmelreich“ aus Johann Sebastian Bachs „III. Theil der Clavierübung“, sowie dem gleichnamigen Orgelnachspiel von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Die beiden Motetten von Jean Kleeb waren mitten in den Gottesdienst eingebettet. Kleeb besinnt sich beide Male auf das Urwesen der Motette: mehrstimmiger Gesang mit geistlichem Inhalt. Die erste Motette beginnt recht einfach: Die acht einzelnen Stimmen wiederholen fast monoton die erste Zeile. Kleeb greift damit den Charakter des „Vaterunser“ auf, eine Grundform des Gebetes. In der mantrischen Wiederholung geht es zurück zur Spiritualität. Dann setzt jedoch die Polyphonie ein, die Stimmen verflechten sich, die Harmonik verschiebt sich nur ganz leicht. Heraus kommt eine Motette, die sich auf den alten Stil im Sinne Palestrinas besinnt, aber mit neuen Harmonien verbindet.

Das klingt dann manchmal fast bedrohlich, wie in einem Hitchcock-Krimi. Aber der tiefe Bass beruhigt das Ganze dann und gibt ihm Halt. Es ist eine gewagte Mischung aus Alt und Neu von Jean Kleeb, die aber sehr gelungen ist.

Die zweite Motette wirkt viel poppiger, mit vielen Jazzakkorden. Wo die erste Motette ganz fern klingt, ist es Kleeb bei der zweiten Motette wichtig, das „Vaterunser“ näher zu bringen. Statt dem eigentlichen Text greift Kleeb hier auf einen Text von Dekan Helmut Wöllenstein zurück. Dieser soll das Gebetzugänglicher machen, das Gefühl dahinter den Menschen nahebringen. Das wirkt durch den warmen, harmonischen Klang sehr gut. Hier und da hört man Einflüsse durch Jean Kleebs Leitung des Gospelchores der Kurhessischen Kantorei durch.

Nach dem Gottesdienst kamen viele Besucher auf Jean Kleeb zu, um ihm zu der gelungenen Uraufführung zu gratulieren.

Die Verteilung der Sänger der Kurhessischen Kantorei auf der Empore stellte sich dabei als Glücksgriff heraus.

Eigentlich war es kurzfristig als Notfallplan gedacht, so aber verteilte sich der Klang der Sänger viel gleichmäßiger in der Kirche. Sonst steht der Chor oft hinter der Gemeinde beim Eingang. Die Lösung auf der Empore war somit für den Klang ein toller Einfall, für die Sänger war die breite Aufstellung jedoch nicht ganz einfach. Die Mühe hatte sich aber auf jeden Fall gelohnt.

von Mareike Bader

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