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Wenn sich zwei Philosophen lieben

Landestheater Wenn sich zwei Philosophen lieben

Die Beziehung zwischen Martin Heidegger und Hannah Arendt steht im Zentrum des Stücks "Geburtlichkeit und Sein zum Tode" mit dem das Hessische Landestheater Marburg am Sonntag, 20. Mai 2012 Uraufführung feiert.

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Marburg. Sie, die personifizierte Widersprüchlichkeit zwischen philosophischer Urteilskraft und scheuer Zurückhaltung, er, der renommierte Philosophieprofessor - nicht nur der philosophische Funke springt gewaltig über, als sich Hannah Arendt und der verheiratete Martin Heidegger 1924 an der Universität in Marburg erstmals begegnen.

Der junge Heidegger lehrt als außerordentlicher Professor, ihm eilt der Ruf voraus, dass sich bei ihm das Denken lernen ließe, und das war es, was die damals 18-jährige Jüdin Hannah Arendt wollte. „Entweder kann ich Philosophie studieren oder ich gehe ins Wasser“, begründete Arendt Jahre später, 1964, ihre Fächerwahl.

Die Liaison wird erst 1982 öffentlich bekannt

Aus der Begegnung zwischen Heidegger und Arendt, deren Namen heute unauslöschlich mit der Philosophiegeschichte des 20. Jahrhunderts verbunden sind, entwickelt sich eine - erst 1982 der Öffentlichkeit bekanntgewordene - Liaison, die jedoch von der politischen Realität in Deutschland eingeholt wird. Ihre Wege trennen sich, doch durch einen jahrelangen, schriftlichen Gedankenaustausch halten sie Kontakt.

Regisseurin Fanny Brunner und Dramaturgin Eva Bormann haben ein Stück über Martin Heidegger und Hannah Arendt entwickelt, das sich in erster Linie mit dem philosophischen Denken der beiden Größen auf seine Lebenspraxis hin beschäftigt. Es ist eine lustvolle Auseinandersetzung mit Arendt und Heidegger und somit auch mit der Philosophie im Allgemeinen. Basierend auf ausgewählten Textbeispielen werden Arendt und Heidegger in einen sowohl „realen“ als auch fiktiven Dialog treten.

Im Zentrum stehen die beiden großen Interviews von Hannah Arendt mit Günter Gaus (1964) und von Martin Heidegger mit Rudolf Augstein und Gerhard Wolf (1969; posthum veröffentlicht 1976). Lebensansätze und -auffassungen, voneinander abweichende oder übereinstimmende Denkebenen werden aufgezeigt und lassen Arendt und Heidegger auch als Gegensatzpaar in punkto Provinz und Urbanität deutlich werden.

Ausstatter Daniel Angermayr hat für die vier Schauspieler und einen Sprecher eine Art Spielfeld entworfen. Diese mobilen Bühnenelemente stehen dabei einerseits bildhaft für Versatzstücke aus dem Leben der beiden - Arendt war eine leidenschaftliche Schwimmerin, Heidegger fuhr Ski - und andererseits bilden sie assoziative Spielmöglichkeiten für die Darsteller.

Die Regisseurin Fanny Brunner inszeniert nach Regiearbeiten am Schauspiel Frankfurt, dem Landestheater Linz, dem Theater Ulm, dem Schauspielhaus, der Kammeroper und dem Tanzquartier in Wien erstmals am Hessischen Landestheater Marburg. „Geburtlichkeit und Sein zum Tode“ ist nicht ihre erste Inszenierung über Arendt und Heidegger. Bereits in der Spielzeit 2009/2010 hat Fanny Brunner sich am Theater Ulm in ihrer Regiearbeit von Savyon Liebrechts Stück „Die Banalität der Liebe“ mit zwei der bedeutendsten und streitbarsten Denker des 20. Jahrhunderts auseinandergesetzt.

„Geburtlichkeit und Sein zum Tode“ beginnt am Sonntag, 20. Mai, um 19.30 Uhr in der Black Box im Theater am Schwanhof.

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