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Marburg Wenn der Handlanger zum Opfer wird
Marburg Wenn der Handlanger zum Opfer wird
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17:22 09.08.2012
Der Narr als Privatmann: Rigoletto (Martin Kronthaler) trifft seine vor allen verborgene Tochter Gilda (Sujin Lee). Foto: von Trott/Hersfelder Opernfestspiele
Bad Hersfeld

Wenn Sänger inszenieren, dann dürfen sich die Kollegen auf der Bühne wohlfühlen, und auch dem eher konservativ eingestellten Opernpublikum gefällt es. So wie jetzt in der Bad Hersfelder Stiftsruine, wo der Bassist Hugo Wieg Giuseppe Verdis ersten Welterfolg „Rigoletto“ in Szene gesetzt hat und dafür nach der Premiere mitsamt dem Ensemble reichen Beifall erntete.

Diese Oper hat shakespearesches Format. Vor allem in der Figur des Titelhelden: Rigoletto ist Hofnarr von Beruf und im bürgerlichen Leben liebender Vater, der seine Tochter Gilda mit allen Mitteln vor den Nachstellungen der dekadenten Hofgesellschaft zu schützen versucht. Weil er selbst am besten weiß, wie sich der Herzog von Mantua die jungen Mädchen nimmt und sich ihrer wieder entledigt. Rigoletto ist dabei sein Handlanger, verhöhnt sogar einen gedemütigten Vater, der den Narren dafür verflucht. Und dieser Fluch geht in Erfüllung: Weil Gilda den Verführer immer noch liebt, obwohl er ihrer bereits überdrüssig geworden ist, und sie sich opfert für ihn, den ihr Vater ermorden lassen will.

Verdi hat diesen Stoff als nachtschwarzes Kammerspiel komponiert. Und genauso setzt Wieg es auf der Vorderbühne der Stiftsruine in einprägsame Bilder um. Die drei zentralen Schauplätze sind dabei stets präsent: in der Mitte der durch eine brokatüberzogene Stuhlreihe angedeutete Herzogspalast, links die von einem Kreuz dominierte Kammer Gildas und rechts die Spelunke des Auftragsmörders Sparafucile. Zwischen diesen drei Orten irrt der Narr umher: als Ruhe- und Heimatloser, sein Hab und Gut in einem abgewetzten Koffer mit sich tragend.

Martin Kronthaler gibt Verdis in jeder Hinsicht herausforderndster Bariton-Partie figürlich und darstellerisch imposantes Profil. Stimmlich ist Rigoletto für ihn (noch) eine Grenzpartie. Zwar trifft er genau den grotesken Ton des höhnenden Narren und schwelgt auch in lyrischen Kantilenen. Aber das heldenhafte Aufbegehren wird zu oft übertrumpft vom orchestralen Furor der mit Biss und klangschön zugleich musizierenden Virtuosi Brunensis, ohne dass Michael Stolle dort übertreibt. Im Gegenteil: Er ist ein Dirigent, der ideal mit den Sängern atmet und dennoch bei insgesamt vorwärtsdrängenden Tempi für feuriges Brio sorgt.

Die junge Koreanerin Sujin Lee, die derzeit in Frankfurt Operngesang studiert, singt bereits jetzt eine ideale Gilda und wurde deshalb vom Premierenpublikum zurecht am stärksten von allen Mitwirkenden gefeiert. In ihrem schlanken Sopran verbinden sich mädchenhafte Zartheit und schwärmerisches Leuchten mit mühelos funkelnden Koloraturen.

Leider schlug bei der dritten Hauptpartie das Besetzungspech zu. Denn der Tenor Yuriy Svatenko musste sich einer Sommergrippe geschlagen geben. Und Omar G. Garrido ist kein adäquater Ersatz. Der Herzog von Mantua ist für seine kleine Stimme mindestens eine Nummer zu groß, wovon nicht nur die mit Müh und Not erreichten Spitzentöne zeugten. Aber auf die Schnelle Ersatzsänger zu finden, die Verdi auf Deutsch drauf haben, ist im heutigen originalsprachlich orientierten Opernbetrieb auch kein Leichtes.

Weitere Aufführungen bis zum 22. August an jedem geraden Tag jeweils ab 20.30 Uhr. Karten-Telefon: 0 66 21 / 50 67 - 13 (oder: - 18).

von Michael Arndt

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