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Marburg Wenn Glück und Pech nahe beieinander liegen
Marburg Wenn Glück und Pech nahe beieinander liegen
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12:09 13.04.2018
Irland 1927: Die Besatzung des Junkers-Flugzeuges „Bremen“ (von links) der Angestellte Fritz Loose, Hauptmann Hermann Köhl und Günther von Hünefeld winken zum Abschied.  Quelle: dpa
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Marburg

Manchmal liegen Glück und Pech nah beieinander, selbst an einem Freitag, den 13. Für die einen gilt er als Pechtag, andere sehen sich mit Erfolg gesegnet.

Das Unglück

RUTSCHIGES PARKETT: Der 13. Mai 1927 geht als Schwarzer Freitag in die Geschichte der Berliner Börse ein: Die Kurse stürzen ab und bringen Hunderte Anleger um ihr Vermögen. Auch in Wien ist es um Freitag, den 13., nicht gut bestellt: Im April 1956 zerstört an diesem Tag ein Großbrand den prächtigen Wertpapierbörsensaal. Außerdem gab es dort schon einmal ein Freitags-Desaster: In Österreich-Ungarn gingen 1873 an einem Tag 120 Firmen in Konkurs, die Börse brach zusammen. Das war aber kein 13., sondern der 9. Mai.

FLUGZEUGKATASTROPHEN: Gleich zweimal schlägt das Schicksal am 13. Oktober 1972 zu, einem Freitag. In Moskau sterben 174 Menschen, weil einer „Iljuschin Il-62“ der Landeanflug missglückt. In den Anden stürzt am selben Tag eine Maschine der Luftwaffe Uruguays mit 45 Menschen an Bord ab. Der Flieger war vom argentinischen Mendoza auf dem Weg nach Santiago de Chile. 16 Passagiere überleben, doch beginnt für sie ein Alptraum: 72 Tage lang entgehen sie in eisiger Kälte nur dadurch dem sicheren Tod, indem sie das Fleisch ihrer toten Kameraden essen.

SCHIFFSHAVARIE: Die „Costa Concordia“ mit mehr als 4 200 Menschen an Bord rammt am Freitag, den 13. Januar 2012, nahe der Insel Giglio vor der toskanischen Küste einen Felsen und kentert. 32 Menschen kommen ums Leben. Kapitän Francesco Schettino hatte sich selbst gerettet, obwohl noch Tausende auf dem Kreuzfahrtschiff festsaßen. Später wird er unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Derzeit wehrt er sich vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen die Verurteilung.

Und das Glück:

STURMERPROBT: Auch wenn der vermeintliche Unglückstag naht, hält es die deutschen Flugpioniere Günther von Hünefeld und Hermann Köhl sowie den Iren James Fitzmaurice im April 1928 nicht davon ab, mit ihrer Junkers W 33 „Bremen“ von Irland Richtung Kanada zu starten. Während der 36,5 Stunden geraten die drei in ein Tiefdruckgebiet, Sturm und Hagelschauer schütteln den Flieger.
Nach der Landung am Freitag, den 13., auf Greenly Island vor dem Festland sind sie die ersten Menschen, die den Atlantik von Ost nach West überflogen haben.

ZAHLENSPIEL: Im deutschen Lotto kann man freitags weder Glück noch Pech haben –an dem Tag gibt es nämlich kein Spiel. Ganz anders beim Eurojackpot. In Helsinki werden seit sechs Jahren jeden Freitag die Gewinnzahlen gezogen. Wie auch am 13. November 2015. Ein Ehepaar aus Heilbronn räumt 32,6 Millionen Euro ab. Was für Glückspilze! Aber wie es halt so ist: andere bleiben auch beim Lotto Pechvögel.

STARRUMMEL: Freitag, 13. April 1962. Hamburg steht Kopf. In der Großen Freiheit 39 auf St. Pauli öffnet der Star-Club seine Pforten. Schon am Premierenabend hat der Besitzer ein glückliches Händchen: Er engagiert die Beatles, damals weitgehend Lokalmatadore – kurz darauf Weltberühmtheiten. Später zieht es auch Rock’n’Roll-Größen wie Jimmy Hendrix, Fats Domino, Chuck Berry, Little Richard und Bill Haley in den weltberühmten Club. Die Schattenseite: Nach sieben Jahren ist Schluss, das Geld ist alle. Und in den 1980ern brennt das Gebäude ab.

von Sebastian Fischer

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