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Sorgt die Fußball-WM für Blut-Engpass?

Weltblutspendetag Sorgt die Fußball-WM für Blut-Engpass?

Mehr als 90 Prozent der Spender kommen mehrmals zur Blutabgabe – allerdings nicht regelmäßig. Die sommerliche Hitze schreckt viele Menschen vom Blutspenden ab. Findet dann noch ein Großereignis wie die Fußball-WM statt, bereitet das den Kliniken Probleme.

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Krankenpfleger Michael Lohmeyer kontrolliert am Uniklinikum einen Schrank mit Blutspenden. 

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Stefanie Fritzsche­ beobachtet die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft genau. Vermutlich entgegen dem Großteil der deutschen Bevölkerung könnte sie mit einem ­frühen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft gut leben.­ Nicht, weil Fritzsche Fußball oder gar Deutschland nicht mag. Die Pressesprecherin des Blutspendedienstes Hessen/Baden-Württemberg des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) befürchtet viel mehr, dass dadurch den Kliniken die Blutkonserven ausgehen könnten. „Läuft‘s bei der Nationalmannschaft gut und viele Fans gehen zum ­Public Viewing, bleiben unsere Liegen oft leer“, sagt Fritzsche.

Termine

Marburg:
Die Blutspende im Marburger Universitätsklinikum ist wöchentlich von Montag bis Freitag geöffnet. Der Spendebereich liegt im Mutter-Kind-Zentrum, auf der Ebene -2 neben dem Eingang zum Kreißsaal. Gespendet werden kann montags, donnerstags und freitags von 8 bis 15.30 Uhr sowie dienstags und mittwochs von 12 bis 18 Uhr. ­Fragen beantwortet das Blutentnahmeteam auch telefonisch unter der Rufnummer 06421/5864492.

Landkreis:
Der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes bietet jährlich Termine an, die verteilt an verschiedenen Orten im Landkreis stattfinden. Die nächsten Termine sind: Dienstag, 26. Juni, 15.30 - 19.30 Uhr, „Jeegels Hoob“ in Hartenrod; Dienstag, 26. Juni,­ 16.30 - 20 Uhr, Stadthalle­ Wetter; Donnerstag, 28. Juni,­ 17 - 20.30 Uhr, Bürgerhaus Kirchhain; Dienstag, 10. Juli, 15.30 - 19.30 Uhr, Bürgerhaus Dautphe; Dienstag, 10. Juli, 17 - 20 Uhr, Bürgerhaus Breidenbach; Montag, 23. Juli, 17 - 20.30 Uhr, Fritz-Henkel-Halle Wallau; Dienstag, 24. Juli, 17 - 20 Uhr, Gemeindliches Zentrum Lixfeld. Weitere Termine gibt es hier.

Doch nicht nur wegen Großveranstaltungen bleiben Menschen der Blutspende fern. Auch das Wetter oder Schulferien können für Engpässe sorgen. „Bei starker Hitze oder schwülem Wetter sind sich insbesondere ältere Menschen unsicher, ob sie eine Blutabgabe mit ihrem Kreislauf verkraften“, sagt Fritzsche. In Monaten wie dem Mai komme hinzu, dass durch die Feiertage viele Blutspender über ein Wochenenden gar nicht vor Ort seien. Deshalb seien die Vorräte „in den letzten Tagen weniger geworden“. Frank Steibli, Pressesprecher am UKGM bestätigt dies. „Blut zu spenden ist im Sommer besonders wichtig“, sagt er. In den vergangenen Wochen kam es immer wieder zu Engpässen in Marburg, etwa bei der seltenen Blutgruppe A-, oder der Gruppe 0-, die mit allen Blutgruppen kompatibel ist und deshalb häufig bei Notfällen gebraucht wird. Nach den Spendenaufrufen des Blutspendedienstes hat der FSV Cappel die sogenannte "Blutspende-Challenge" ins Leben gerufen, um auch andere Vereine zum Spenden zu bewegen.

Blutspende am UKGM.

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Ein Bestandteil des Blutes ist nur für vier Tage haltbar und muss deshalb regelmäßig gespendet werden: die Thrombo­zyten. „Da haben wir wenig Spielraum. Das ist der Grund, warum wir auch Blutspenden beispielsweise an Pfingstmontag oder dem zweiten Weihnachtsfeiertag anbieten. Anders geht es nicht“, sagt Fritzsche. Thrombozyten sind Blutplättchen. Sie werden insbesondere bei der Behandlung von Krebspatienten benötigt. Um die Versorgung mit den Blutbestandteilen zu gewährleisten, verteilt der DRK-Blutspendedienst deshalb die Termine über das ganze Jahr.

Infos zur Blutspende

Wer kann Blut spenden? Erstspender sollten zwischen 18 und 60 Jahren alt sein und mindestens 50 Kilogramm wiegen. Wichtig ist, dass man sich gesund fühlt. Vor der Spende müssen die Freiwilligen einen Fragenkatalog ausfüllen. Damit soll geprüft werden, ob sie wirklich als Blutspender infrage kommen. Zum Beispiel dürfen Menschen, die in den vergangenen vier Monaten eine größere Operation hatten, kein Blut spenden. Männer dürfen pro Jahr sechs Mal, Frauen vier Mal zur Blutspende.

Wie läuft eine Blutspende ab? Die Blutspende selbst dauert nur wenige Minuten. Die Mediziner entnehmen dabei etwa einen halben Liter Blut. Im Anschluss sollte man sich ausruhen, viel trinken und etwas essen. Nach der Entnahme wird man in der Regel kostenlos verpflegt. Um Kreislaufprobleme auszuschließen, wird eine Ruhepause von etwa einer halben Stunde empfohlen. Im Anschluss dürfen die Spender auch wieder am Straßenverkehr teilnehmen.

Was passiert mit der Spende? Die Blutkonserve­ wird in einem Labor aufbereitet und untersucht. Sollten dabei auffällige Befunde auftreten, die ein Hinweis auf Krankheiten sein können, informiert die Klinik oder der Spendedienst den Spender im Anschluss darüber. Werden Viren oder Bakterien festgestellt, wird die Probe vernichtet.

Quellen: DRK und UKGM

Der  Weltblutspendertag soll insbesondere die Freiwilligen in den Vordergrund rücken, die das „Arzneimittel“ (Fritzsche) anderen Menschen zur Verfügung stellen. Dadurch hoffen die Mediziner weitere Spender zu gewinnen. Nicole Menche-Schröder war gestern zum ersten Mal bei der Blutspende im Uniklinikum Marburg. Ihr Mann Mike Schröder begleitete sie. Er selbst spendet regelmäßig Blut. „Mehr als 90 Prozent sind Stammspender“, sagt DRK-Pressesprecherin Fritzsche. Das Durchschnittsalter von Blutspendern liegt nach Angaben des DRK-Blutspendedienstes bei 44 Jahren. 59 Prozent der Spender sind Männer, 41 Prozent Frauen. Erstspender sind durchschnittlich 29 Jahre alt. In diesem Jahr hat der DRK-Blutspendedienst bislang 86 Erstspender registriert. Dies liegt im Schnitt. Fritzsche hofft, dass vor und während der Fußball-WM noch weitere Erstspender hinzukommen.

von Tobias Kunz

Nach Frankfurt und wieder zurück

18 000 Blutspenden nimmt das Uniklinikum nach Angaben von Pressesprecher Frank Steibli pro Jahr entgegen, das entspricht 9 000 Litern Blut. Die Spendezahlen seien wie im gesamten Bundesgebiet rückläufig. Allerdings sinke durch verbesserte Techniken auch der Bedarf in etwa dem gleichen Umfang. Dennoch reicht die Anzahl der Spenden bislang am Uniklinikum nicht aus, um den Bedarf vollständig abzudecken, weil das UKGM auch die umliegenden Krankenhäuser in Wehrda und Biedenkopf sowie einzelne Ärzte im Landkreis mit Blutspenden versorgt. Deshalb bezieht das Uniklinikum jährlich auch 2 000 Blutkonserven von anderen Spendediensten. „Unser Ziel bleibt es, die ­Eigenständigkeit der Blutversorgung mittelfristig zu sichern“, sagt Steibli.

Blut wird weiterverkauft – aber ohne Gewinnabsicht

Ein Spendedienst, der mobile­ Blutspenden organisiert und die einzelnen Blutbestandteile­ dann weiterverkauft, ist der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes. Im vergangenen Jahr nahmen die Mitglieder des Wohlfahrtsverbands im Landkreis Marburg-Biedenkopf an 39 Terminen insgesamt 2 738 Blutspenden ab. Stefanie Fritzsche, Pressesprecherin des DRK-Blutspendedienstes Hessen/Baden-Württemberg betont aber, dass dies ohne Gewinnabsichten passiert. „Blut ist keine Handelsware“, sagt sie. Sie bezeichnet den DRK-Blutspendedienst als „Sammelstelle“. Die Konzentrate würden zum Selbstkostenpreis weiterverkauft. Eine Blutkonserve koste zwischen 80 und 90 Euro. „Der Preis ist abhängig von verschiedenen Schwankungen, wie beispielsweise den Fahrtkosten“, sagt Fritzsche. Denn das Blut, das bei den mobilen Spendeterminen des DRK abgegeben wird, hat mitunter einen weiten Weg vor sich. Vom Abgabeort wird das Blut zum Institut für Transfusionsmedizin nach Frankfurt transportiert. Dort wird es aufbereitet und von den Experten getestet.

„Was in Hessen gesammelt wird, bleibt auch in Hessen“

Ist die Probe in Ordnung, kommen die Konserven in ein Depot nach Frankfurt oder Kassel. „Und von dort in eins der 110 Krankenhäuser in Hessen“, sagt Fritzsche. Es gelte das Regionalprinzip. „Was in Hessen gesammelt wird, bleibt auch in Hessen“, sagt Fritzsche. Gebe es in anderen Bundesländern Engpässe, helfe man sich unter den Spendediensten aber gegenseitig aus. 900 Blutkonserven werden in den hessischen Kliniken täglich gebraucht, sagt Fritzsche.

Das gespendete Blut kommt aber nicht eins zu eins in die Krankenhäuser zurück. Im Institut wird es in die Bestandteile Blutplasma, rote Blutkörperchen und Blutplättchen aufgeteilt. „So bekommt jeder Patient genau das, was er benötigt – und mit einer Spende kann mehreren Menschen geholfen werden“, sagt Fritzsche.

Neben der Vollblutspende kann man am Institut auch gezielt Plasma und Blutplättchen spenden. Diese Spenden dauern zwar länger, können pro Jahr aber öfter wiederholt werden. Auch in Marburg gibt es diese­ Möglichkeit. „Praktisch jeder Gesunde kann Vollblut spenden, für die anderen Verfahren gibt es zusätzliche Kriterien, die ­erfüllt werden müssen“,­ sagt Steibli. Für eine Spende von Blutplasma müssten zum Beispiel die Venen des Spenders besonders geeignet sein.

Bei einer Vollblutspende im Uniklinikum wird das Blut am Zentrum für Transfusionsmedizin am Gießener Standort des UKGM kontrolliert und weiter verarbeitet. Auf diese Einrichtung greifen auch andere ­lokale Spendedienste in Mittelhessen zurück, sagt Steibli. Die Konzentrate der roten Blutkörperchen aus Marburger Blutspenden kämen nach der Freigabe aber wieder nach Marburg zurück. „Aus der Region für die Menschen in der Region“, sagt Steibli.

von Tobias Kunz

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