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Marburg Handel kommt „mit einem blauen Auge davon“
Marburg Handel kommt „mit einem blauen Auge davon“
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00:15 28.12.2018
Das Weihnachtsgeschäft in Marburg lief laut Einzelhändler besser als erwartet – nicht nur in der Oberstadt strömten Kunden in die Läden. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Der Dezember ist traditionell der Monat der starken Kaufkraft. Dann zieht das Geschäft im lokalen Einzelhandel an, für manchen Laden ist das ausschlaggebend, das Weihnachtsgeschäft quasi spielentscheidend für die ganze Jahresbilanz. Andere sind nicht ganz so stark abhängig von der Vorweihnachtszeit, setzen dennoch auf den florierenden Handel. Für die großen Kaufhäuser haben sich die Erwartungen weitestgehend erfüllt, auch wenn äußerliche Faktoren, wie die gesperrte Weidenhäuser Brücke, zu Einschnitten führen.

„Am Monatsanfang lief es noch schleppend, hat aber kontinuierlich angezogen, die Kauflust der Kunden steigt – wir sind sehr zufrieden, es ist ein starkes Weihnachtsgeschäft geworden“, berichtet Ulrich Mücke von der kaufmännischen Geschäftsleitung des Kaufhauses Ahrens. Dabei sei die Vorfreude auf den Kundenansturm an vielen Stellen von der Verkehrslage getrübt worden. Das fiel auch bei Ahrens auf, „wir haben das ganze Jahr über die Brücke gespürt, es ist die stärkste Beeinträchtigung von 2018“, sagt Mücke, der von zahlreichen verärgerten Kunden berichten kann. Das habe ebenfalls Auswirkungen auf das Weihnachtsgeschäft, auch wenn sich die „schlimmsten Befürchtungen“ nicht erfüllt hätten, „es war weniger ausgeprägt als gedacht, trotzdem ist die Situation unbefriedigend“.Ein kleiner Ausgleich zur Brückensperrung sei die günstige Lage der Feiertage: Heiligabend und Silvester fallen auf einen Montag, also bleibt mehr Zeit zum Kaufen und Verkaufen.

Die Kunden schlugen dabei vor allem im Fashionbereich und bei Geschenkartikeln zu: Etwa bei Accessoires, Schmuck oder Handtaschen – alles Waren, die laut Mücke durchaus gegen die allgegenwärtige Online-Konkurrenz bestehen können. „Gerade bei Schmuck möchte der Kunde die Ware gerne sehen und auch anfassen, anprobieren können – die Beratung vor Ort ist ein weiterer Pluspunkt“, sagt Mücke.

Ähnliches ist vom Teka Kaufhaus Brinkmann in der Bahnhofstraße zu hören, wo Chef Bernd Brinkmann gerade in den letzten Tagen bei den Kundenzahlen „eine deutliche Zunahme der Frequenz“ erkennt. Dabei habe auch im Marburger Norden die beengte Verkehrssituation Auswirkungen auf das Geschäft, „die Geduld der Kunden wird extrem gefordert, nicht nur in Marburg ist das so – aber viele arrangieren sich mittlerweile mit der Situation“, erläutert Brinkmann. Der Handel rechnete bereits mit verkehrsbedingten Umsatzeinbrüchen, man sei jedoch noch „mit einem blauen Auge davongekommen“, so sein Fazit.

Kaufpark Wehrda wird zum Kundenmagneten

Noch euphorischer klingen die Reaktionen aus dem Kaufpark Wehrda, der im Gegensatz zur Marburger Innenstadt weniger mit der Erreichbarkeit zu kämpfen hat, vielmehr von Hindernissen wie Innenstadt-Stau oder Wetter profitieren kann. Zumindest scheinen die Kunden durchaus auch nach Wehrda ausgewichen zu sein: „Wir sind absolut zufrieden und können uns wirklich nicht beklagen“, berichtet Begro-Filial­leiter Michael Blöcher-Bach. Das ganze Jahr über herrsche bereits reger Kundenbetrieb, das Geschäft zu Weihnachten habe noch einmal sehr deutlich angezogen, „noch stärker, als in den letzten Jahren“.

In der Marburger Oberstadt haben die Händler da eher gemischte Gefühle, „es lief ein bisschen schleppend, die Lage der Geschäfte ist durchwachsen“, sagt Friedrich Bode vom Werbekreis Oberstadt. Nachdem, was im Kollegenkreis zu vernehmen sei, sind die Oberstadthändler beim Thema Weihnachtsgeschäft verschiedener Meinung: „Einige sind zufrieden, manche finden es noch okay, andere sagen ‚das war nichts dieses Jahr‘ – die Resonanz ist unterschiedlich.“

Für Bode ist dafür vor allem das wechselhafte Wetter verantwortlich: „Wie sind sehr wetterabhängig, wenn es den ganzen Tag regnet, kommen die Leute nicht in die Oberstadt.“
Witterungsbedingte Ein­schnitte erkennt auch Stadtmarketing-Chef Jan-Bernd Röllmann, der dennoch zumindest „keine katastrophalen Auswirkungen“ auf den Handel sieht. „Das Weihnachtsgeschäft wird unterschiedlich bewertet, aber trotz der Brückensperrung herrscht ein hoher Grad an Zufriedenheit“.

Aus der Oberstadt gab es in der Vergangenheit auch immer wieder Misstöne, was die Marburger Kaufkraft betrifft. Das lasse sich laut Bode aber nicht generell an der gesperrten Brücke festmachen, auch nicht rein am Onlinehandel, dem Wetter oder mangelnden Parkplätzen für die Kunden. „Ich mache nicht die Brücke verantwortlich, wenn das Weihnachtsgeschäft schlecht läuft – es kann ein Grund sein, muss es aber nicht. Überhaupt sind es viele Gründe, die hier ineinander greifen“, so sein Fazit zur Oberstadt-Lage.

von Ina Tannert