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Marburg Sandsteinbau erhält Rundumsanierung
Marburg Sandsteinbau erhält Rundumsanierung
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00:18 13.08.2018
Steinmetz Caspar Fischer (großes Bild) ist bei der Brückensanierung vielfältig im Einsatz. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Während mitten auf der Brücke vor allem der Abbruch der Fahrbahndecke und des über den Bögen liegenden Füllmaterials im Fokus stand, steht die Erneuerung und ­Rekonstruierung der Brückenbestandteile aus Sandstein auf dem der Brücke vorgelagerten eingezäunten Baustellen­areal im Mittelpunkt. Die Weidenhäuser Brücke soll nach der Sanierung dem ursprünglichen Bau aus dem 19. Jahrhundert wieder sehr viel ähnlicher ­sehen.

Der aktuelle Sandsteinbau der Weidenhäuser Brücke steht unter Denkmalschutz. Bei der Sanierung der Brücke legt die Stadt daher viel Wert auf eine denkmalgerechte Sanierung. Die Sandsteine müssen in Handarbeit restauriert und teilweise erneuert werden. Hier und da wird Beton zum Einsatz kommen – und am Ende soll die Brücke wieder viel mehr dem Ursprungsbau von 1892 gleichen als bisher.

Die Steinmetze sind von der ersten Stunde der Bauarbeiten an, vor Ort mit dabei und werden bis zum Schluss im Spätsommer 2019 an der Weidenhäuser Brücke arbeiten. Denn sie kümmern sich mit viel Liebe zum Detail um die historischen Sandsteine, mit denen die Brücke am Eingang zur Marburger Innenstadt Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde.

Steinmetze greifen auf Detail-Zeichnungen aus Bauzeit zurück

„Wir stellen die Brücke denkmalgerecht wieder her, weil sie ein wichtiges Bauwerk in Marburg ist, das das Stadtbild prägt“, erläutert Baudezernent Wieland Stötzel (CDU). Bei Betonarbeiten in den 1960er-Jahren waren die kunstvoll verzierten Gesimse und Konsolensteine an der Nordseite der Brücke komplett entfernt worden. An der Südseite Richtung Weidenhäuser Wehr sind sie noch erhalten. 

Die Aufgabe der Steinmetze ist es, Kopien anzufertigen, um dann auch an der Nordseite wieder die kunstvoll bearbeiteten Steine einfügen zu können. „Die Steine an der Südseite sind so sehr verwittert, dass wir die ursprünglichen Formen kaum herausarbeiten konnten“, erklärt der städtische Tiefbauamtsleiter Thomas Engelbach. Deswegen greifen die Fachleute in diesem Fall auf detaillierte Zeichnungen aus der Bauzeit Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Sie haben vier verschiedene Formen für die Konsolensteine unterhalb der Brückengesimse rekonstruiert. „Diese Formen für die Nordseite haben wir nun aus Beton gegossen“, sagt er.

Nach einigen Versuchen wurde dabei der Farbton des verwendeten Marburger Sandsteins so gut getroffen, dass die Betonsteine mit dem bloßen Auge kaum noch von den Sandsteinen zu unterscheiden sind. Es wird aber auch neuer Sandstein als Baumaterial bei den Sanierungsarbeiten verwendet – dieser Sandstein stammt einerseits aus noch existenten Steinbrüchen in der Region und andererseits aus den Vogesen.

Im Wasserbad wird Sansteinen Tausalz entzogen

„Die Betonkonsolensteine mit den gerundeten Formen werden mit quaderförmigen, neuen Sandsteinen verklebt und an ebenfalls angeklebten Eisenstücken dann in die Brücke eingebaut“, erklärt Steinmetz Caspar Fischer. Damit die Sandsteine nicht zu neu aussehen, versieht Fischer sie mit dem Meißel per Hand mit einem Muster, mit dem eine mittelalterliche Technik nachgeahmt wird.

Die Steine an der Südseite­ werden restauriert. Sie wurden­ in den ersten Wochen nach ­Beginn der Brückenbauarbeiten vorsichtig entfernt und in eine Steinmetz-Werkstatt gebracht. Dort liegen sie nun in einem Wasserbad, in dem das mit Tauwasser eingedrungene Streusalz entzogen wird.

Die schwarze Patina auf den Steinen, die durch jahrzehntelange Umwelteinflüsse entstanden ist, wird durch Sandstrahlen entfernt.

von Manfred Hitzeroth

Die Sanierungsarbeiten an der Weidenhäuser Brücke liegen einigermaßen im Zeit Plan (die OP berichtete).