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Marburg Pendler bahnen sich Weg durch die Stadt
Marburg Pendler bahnen sich Weg durch die Stadt
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20:06 01.03.2018
Die Hohe Leuchte ist eine der Straßen, die sich derzeit als Haupt-Ausweichroute für Berufspendler entpuppen. Über massive Stauprobleme klagen Berufspendler auf der Stadtautobahn, speziell am Hauptbahnhof sowie rund um Marburg-Süd. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Stau am Morgen, Stau am Nachmittag: Vor allem im Bereich zwischen Bahnhof- und Neuer Kasseler Straße, aber auch rund um die Deutschhausstraße sowie Südspange hat sich nach Einschätzung von Berufspendlern und Anwohnern die Verkehrssituation seit Wochenbeginn verschärft. „Schlecht ist es schon seit längerem, aber wenn man von Cölbe bis zu seinem Arbeitsplatz 40 Minuten braucht, ist das einfach nur ätzend“, sagt Karsten Schaub.

Morgens herrsche zeitweise schon vor dem Waldtal Stop-and-Go, und auch auf der Stadtautobahn gehe es bis zum Hauptbahnhof nicht voran. Morgens gibt es zeitweise Rückstaus bis zum Messeplatz, und auch an den Südabfahrten ab Gisselberger Straße oder nahe Stadtwerke steht die Blechlawine mehr als dass sie rollt – ein Sicherheitsproblem?

Stadtautobahn als "Verteilerschiene"

Klar sei, wenn eine Hauptachse wie die Weidenhäuser Brücke für den Autoverkehr wegfalle, stelle die Stadtautobahn „eine wichtige Verteilerschiene“ dar, sagt Sonja Lecher, Sprecherin von Hessen Mobil auf OP-Anfrage. Ob die aktuelle­ ­Situation problematisch ist, könne noch nicht eingeschätzt werden, müssten erst weitere Erkundigungen eingeholt werden.

Die verschärften Stauprobleme in der Nordstadt bemängelt auch Ulrike Ristau, Ortsbeiratsmitglied im Campusviertel. „Die aktuelle Situation ist nicht harmlos“, sagt sie. Stadtauswärts herrsche seit Tagen auf  Deutschhaus- und Robert-Koch-Straße Dauerstillstand bis nach 18.30 Uhr, auch für den seit Jahrzehnten bekannten und beklagten Behringverkehr gebe es nachmittags durch die Marbach über die Nordstadt bis auf die Stadtautobahnauffahrten kein Vorankommen. Es sei an der Zeit, den „überflüssigen Verkehrsversuch endlich zu beenden“ und in der Nordstadt, bei der Ex-Einbahnstraße, der Robert-Koch-Straße, zur Alt-Regelung zurückzukehren.

Noch keine Beschwerden in Ockershausen

Immer mehr Autofahrer nutzen auch den Weg über Ockershausen. Speziell die Hohe Leuchte und der Weg durch den alten Ortskern ist nach Anwohner-Beobachtungen wesentlich höher ­frequentiert als gewohnt – vor allem nachmittags.

„Dass es mehr Verkehr durch den Stadtteil gibt, ist auf jeden Fall sichtbar. Wir müssen jetzt mal schauen, wie sich das in den nächsten Wochen entwickelt. Problematisch wird es jedenfalls, wenn verstärkt auftretender Berufsverkehr und Schulbeginn zeitlich aufeinanderprallen“, sagt Ludwig­ Schneider, Ortsvorsteher in Ockershausen auf OP-Anfrage. Allerdings gebe es bisher wegen des Verkehrsaufkommens bislang vor allem zwischen Hoher Leuchte und Willy-Mock-Straße noch keine Anwohnerbeschwerden.

"Eine ziemliche Zumutung, schon seit Jahren"

In der Ketzerbach sieht das anders aus. „Dauerstau vor ­allem am Nachmittag gibt es nach wie vor, eine wesentliche Veränderung und Verkehrsverringerung ist seit der Sperrung nicht erkennbar“, sagt Manfred Spangenberg, der ­direkt an der Behringwerke-Zubringerstraße wohnt.

Vor allem würden trotz der Bitten des Magistrats an die Pharmafirmen deren Spediteure, Logistik- und Transportunternehmen offenbar weiterhin durch die Ketzerbach und den Marbacher Weg fahren. „Eine ziemliche Zumutung, schon seit Jahren. Und wohl eine Situation ohne Aussicht auf Verbesserung, „da es nicht gewollt und durchgesetzt wird“.

Nahverkehr: "alles andere als arbeitnehmerfreundlich"

Die Folgen der Brückensperrung, deren gerade in der Wahrnehmung vieler Unternehmer recht kurzfristigen Ankündigung lösen erneut eine Grundsatzdebatte aus: „Viele Menschen sind nunmal auf ein ­
Auto angewiesen, um zur Arbeit zu kommen. Das wird in dieser Stadt völlig ignoriert, man bekommt es so schwer gemacht wie möglich“, sagt Ines Baumann, die als Selbstständige täglich aus dem Ostkreis in die Stadt fährt.

Autofahrer sollten wohl „quasi dazu gezwungen werden, auf andere Verkehrsmittel zurückzugreifen“, sagt Ulrike Ristau, die als Rechtsanwältin mobil sein muss. Das Problem: Die Alternative, der Nahverkehr sei von der Taktung her „alles andere als arbeitnehmerfreundlich“ und außerdem „im Vergleich zu anderen Städten viel zu teuer “.

von Björn Wisker