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Marburg Heiße Arbeiten auf „Berg- und Talbahn“
Marburg Heiße Arbeiten auf „Berg- und Talbahn“
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00:18 02.08.2018
Auf der Weidenhäuser Brücke sind bis zu 20 Bauarbeiter gleichzeitig im Einsatz. Die frühere Fahrbahn erinnert jetzt an eine Halfpipe, weil das Füllmaterial oberhalb der Sandsteinbögen entfernt wurde. Es wird durch 1 000 Kubikmeter Beton ersetzt. Foto: Tobias Hirsch Quelle: Auf der Weidenhäuser Brücke sind bis zu 20 Bauarbeiter gleichzeitig im Einsatz. Die frühere Fahrbahn erinnert jetzt an eine Halfpipe, weil das Füllmaterial oberhalb der Sandsteinbögen entfernt wurde. Es wird durch 1 000 Kubikmeter Beton ersetzt. Foto: Tobias Hirsch
Marburg

Sie haben wohl momentan den heißesten Job Marburgs: Die Rede ist von den Bauarbeitern, die bei der Sanierung der Weidenhäuser Brücke im Einsatz sind. Denn mitten auf der Brücke strahlt die Sonne mit unverminderter Kraft auf die Arbeiter ein. Diese schützen sich mit sehr viel Sonnencreme, Kopfbedeckungen und halbwegs luftiger Kleidung vor der Hitze und trinken sehr viel Wasser. „Wir sparen uns die Sauna und die Fahrt in den Süden“, scherzt einer der Arbeiter. Ab und an können sie sich wenigstens in der Lahn abkühlen.

Doch hitzefrei gibt es nicht auf der Brückenbaustelle, denn der Zeitplan soll eingehalten werden. Im Herbst soll die halbseitige Aufhebung der Brückensperrung erfolgen. Dann wird die Fahrbahn bis zum endgültigen Ende der Bauarbeiten im Spätherbst 2019 wenigstens auf einer Spur wieder befahrbar sein.

Wo sich vor Beginn der Bauarbeiten noch auf einer Länge von 80 Metern die Fahrbahn befunden hat, sieht man jetzt eine wellenförmige „Berg- und Talbahn“, die eigentlich optimal geeignet wäre als Hindernisstrecke für Mountainbike- oder Skateboardsportler. Drei Hauptbögen der Brücke und ein kleinerer Bogen, unter dem einstmals der Mühlgraben verlief, sind nach der Entfernung der Fahrbahnoberfläche aus Asphalt freigelegt worden. Entfernt wurden das ursprüngliche Füllmaterial – vorwiegend aus Sand und Geröll – und die darunter liegende Teer-Pech-Schicht, die der Abdichtung gedient hatte.

Neu aufgefüllt werden sollen die Bögen mit rund 1 000 Kubikmeter Spezialbeton, erläutert Rudolf Lotz, im städtischen Tiefbauamt beschäftigter Sachbearbeiter für die Baustelle. Die Betonverfüllung soll auch zusätzlich zur statischen Verstärkung der Brücke beitragen, erklärt Lotz. Über die Betonschicht wird dann wieder die Fahrbahndecke aufgetragen, die nachher insgesamt 25 Zentimeter höher als vor der Sanierung liegen soll.

Für ein wenig Verzug im Zeitplan sorgte aktuell beim „Ausräumen“ des Füllmaterials die Entdeckung, dass einer der Brückenbögen etwas höher war als in den Bestandsplänen aus dem 19. Jahrhundert verzeichnet. Daraufhin sind kurzfristig neuerliche Statikberechnungen notwendig geworden, erläuterte Tiefbauamtsleiter Thomas Engelbach im Gespräch mit der OP. Es wird überprüft, wie die Bewehrung – also die netzförmige Verlegung von längs und quer verlaufenden Stahlstäben auf den Sandsteinbögen – so gestaltet werden kann, dass ­eine optimale Tragfähigkeit der ­Brücke erreicht wird.

Die Sanierung der Weidenhäuser Brücke schreitet voran.

Unterdessen sind auch die vorbereitenden Arbeiten für die Anbringung des neuen Fußgängerstegs angelaufen, der an der Nordseite der Brücke in Richtung der Mensa angebracht werden soll. So sind bereits über den niedrigsten Stellen zwischen den Brückenbögen einige Konsolen-Träger aus Stahl installiert worden, die noch durch weitere Stahlkonstruktionen ergänzt werden und künftig den zusätzlichen Steg für die Fußgänger tragen sollen. Spannend wird es, wenn dieser Steg in insgesamt drei Teilen geliefert und in die Brücke eingebaut wird.

Parallel zu den Arbeiten auf der Brücke läuft auch die denkmalgerechte Sanierung des Sandsteinbauwerks aus dem Jahr 1892, an dem der Zahn der Zeit gehörig genagt hat. Es ist eine Mischung aus Restaurierung und Rekonstruktion des historischen Baumaterials. Steinmetz Casper Fischer hat seine Freiluft-Werkstatt auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz aufgebaut. Das Arbeitsfeld ist vielfältig. Es reicht von der Entsalzung der durch die jahrelange­ Aufnahme des Streusalzes aus dem Tauwasser in Mitleidenschaft gezogenen Original-Bausteine und der Reinigung der durch Umwelteinflüsse mit schwarzer Patina überzogenen Sandsteinbögen bis hin zur Bereitstellung und Vorbereitung der neuen Bausteine. Diese­ ­sehen täuschend ähnlich wie die historischen Bauteile aus.

Auch die Arbeiten an der neuen Brückenkammer auf der Seite am ­Rudolphsplatz gehen mit Hochdruck voran. Dort wird ein Technikraum geschaffen, in dem Fernwärmeleitungen sowie Strom- und Datenkabel zusammengeführt werden. Leitungen und Kabel werden unterhalb des geplanten Fußgängerstegs auf der nördlichen Seite des Brückenbauwerks verlegt, so dass sie nicht mehr sichtbar sein werden.

von Manfred Hitzeroth