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Marburg Wehr in Weidenhausen steht vor Umbau
Marburg Wehr in Weidenhausen steht vor Umbau
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17:08 21.02.2018
Das Wehr „Am Grün“ ist laut eines Gutachtens aus dem Jahr 2008 baufällig. Der Magistrat plant daher einen großflächigen Umbau der Anlage. Es gibt allerdings in der Nachbarschaft der Wehranlage Befürchtungen, wonach ein möglicher Neubau das historische Stadtbild beeinträchtigen könnte. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Laut Magistrat steht eine „umfassende Sanierung“ der Wehranlage nahe des Hirse­feldstegs an, da die Bausubs­tanz „erhebliche Mängel“ aufweise, die Wehranlage nicht mehr dauerhaft standsicher sei, wie es auf OP-Anfrage heißt.

Eine rein oberflächliche Sanie­rung des 73 Meter langen Bauwerks sei „nicht ausreichend, grundlegende Arbeiten sind erforderlich“. Nach OP-Informationen schätzt die Stadtverwaltung eine Sanierung des Bestands allerdings als „nicht mehr möglich“ ein, vielmehr soll das „Grüne Wehr“ durch eine komplett neue Wehranlage ersetzt werden. Also Abriss und Neubau an gleicher Stelle statt Renovierung des Bestands? In Unterlagen, die der OP vorliegen ist von „Rückbau“ die Rede, davon, dass mehrere Reparaturen in den vergangenen Jahrzehnten die Gesamtsituation nicht beeinflusst hätten.

Kernziel des Vorhabens ist laut Magistrat die „Durchgängigkeit der Lahn“ zu erreichen – mit dem Bau einer auch von der Europäischen Union geforderten Fischtreppe an der Wehranlage.­ Die Stadt will den Bau eines solchen Fischaufstiegs mit einer Kanurutsche kombinieren, um neben dem Naturschutz auch den Tourismus zu fördern. An den Einstiegen für die Rutsche sind Anlegestellen für Boote und auf Höhe des Trojedamms zudem ein Podest vorgesehen, das als Aussichtspunkt über die Wehranlage dienen soll. Geplanter Baubeginn ist Frühjahr 2020. Der Bau soll Kalkulationen zufolge rund dreieinhalb Millionen Euro kosten und zwei Jahre dauern.

Planungen „optisch eng“ an der bestehenden Anlage

Insgesamt solle die Anlage­ „optisch eng“ an der bestehenden orientiert sein, da diese – samt Südviertel- und Oberstadtsilhouette im Hintergrund – „stadtbildprägend“ sei. Die Überlaufschwelle soll in Anlehnung an das „Afföller Wehr“ einen Stahlbetonkern und Sandsteinverblendung erhalten, generell soll Material des Bestandsbaus, wiederverwendet werden. Der Denkmalbeirat hat den Plänen nach OP-Informationen bereits zugestimmt. Doch um die Zukunft des Marburger Postkartenmotivs zwischen Hirsefeldsteg und Weidenhäuser Brücke fürchten Anwohner in Weidenhausen und dem Südviertel.

Laut Ortsbeirat Weidenhausen wird das Bauprojekt im Stadtteil „aus Sicherheitsgründen sehr skeptisch“ gesehen, Anwohner befürchten nicht zuletzt wegen geplanter Betonierungen am Ufer, dass das „Areal zu einer Art zweiter Lahnterrasse wird“. Die Geschehnisse an dem nur wenige hundert Meter entfernten Teil des Flusses sorgen „für eine gewisse Skepsis“, wie Ortsvorsteher Wolfgang Grundmann sagt. Im Südviertel herrscht auch „Verwunderung“ und ein „Informationsbedürfnis“, wie Antje Tietz, Ortsvorsteherin sagt. „Befürchtet wird, dass die Ufervegetation einem Betonsockel weichen soll“, sagt sie. Die Einrichtung der Kanu-Rutsche habe vor allem deshalb Verwunderung hervorgerufen, da der Wasserstand unterhalb des Wehres im Sommer niedrig sei.

Die Ortsbeiräte werden sich nach eigenen Angaben auf ihren kommenden Gremiumssitzungen mit dem Thema beschäftigen (Weidenhausen: Donnerstag, 22. Februar), der Magistrat kündigt für den Sommer dieses Jahres eine Bürgerinformations-Veranstaltung an.

von Björn Wisker