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Marburg Weggefährten würdigen Jost Vacano
Marburg Weggefährten würdigen Jost Vacano
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19:52 14.03.2010
Oberbürgermeister Egon Vaupel (von links) mit dem Kamerapreisträger Jost Vacano, Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause und Kulturdezernentin Kerstin Weinbach. Quelle: Rainer Waldinger

Marburg. Fast bis auf den letzten Platz war die Alte Aula am Samstag gefüllt, die Stimmung: feierlich und mit einem Flair von Internationalität. Schließlich hat Jost Vacano nicht nur in Deutschland einen exzellenten Ruf, sondern arbeitet auch in Hollywood sehr erfolgreich.

Mit „Das Boot“ hat nicht nur er eine Oscar-Nominierung eingeheimst, sondern auch Regisseur Wolfgang Petersen. „Das Boot“ sei etwa 70-mal im Fernsehen ausgestrahlt worden, sagte Vacano. Er als Kameramann hat finanziell keinen Vorteil, ihm werde kein Urheberrecht zugestanden. Wessen Name stehe unter einem Bild im Museum? Der des Auftraggebers, des Fürsten, der dem Maler genaue Vorgaben macht? Oder der Name des Malers?

Seit anderthalb Jahren prozessiere er, um sein Urheberrecht anerkennen zu lassen. Wütend wirkte er dabei nicht. Er sei streitlustig, gab er gut gelaunt zu. Wer Filme wie „Das Boot“ sieht und bei klarem Verstand ist, würde gar nicht erst auf die Idee kommen, dass der Kameramann „nur“ ein Techniker sei, einer, der bloß die Anweisungen des Regisseurs befolge.

Jost Vacanos Bilder sind und waren immer dynamisch, geben innovative Blicke frei, begleiten den Schauspieler, nehmen seine Rolle ein. Die Kamera ist mitten im Geschehen und scheint aktiv im Geschehen mitzumischen. Beispiele dafür gaben die Ausschnitte, die der angehende Medienwissenschaftler Matthias Michel zusammenschnitt und in die er ein Interview mit dem „Boot“-Produzenten Günter Rohrbach einbettete.

Vacano sei ein Bildermacher der besonderen Art. Er habe seine Bilder im Kopf und versuche mit Hilfe der Technik, diesen Bilder so nahe wie möglich zu kommen, erklärte Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause. Dabei sei er mit der vorgefundenen Technik nicht zufrieden, sondern entwickle und perfektioniere sie weiter. Unter anderem setzte er für „Das Boot“ Kreiselstabilisatoren ein. Vacano sei ein Techniker ohne Stillstand, er bilde die Nahtstelle zwischen Technik und Kunst.

von Christine Krauskopf

Mehr lesen Sie am Montag in der gedruckten OP.