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„Wawuschels“ eroberten die Kinderherzen

Zum Tode von Irina Korschunow „Wawuschels“ eroberten die Kinderherzen

„Feuer, Feuer, Feurio,/ heiz den Kessel so und so,/ brenne warm und lichterloh,/ Feuer, Feuer, Feurio.“ Viele Kinder denken bei diesen Versen an Marmelade.

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Irina Korschunow (hier ein Archivbild von 1999) starb am 31. Dezember. Foto Erwin Elsner

Quelle: Erwin Elsner

München. Denn mit diesem Spruch beschwört die „Wawuschel“-Familie in der gleichnamigen Kinderbuchreihe von Irina Korschunow den dreiköpfigen Drachen, der ihr als lebendiger Herd für ihre Lieblingsspeise dient.

Die in München lebende Autorin verstarb am 31. Dezember 2013, an ihrem 88. Geburtstag, wie der Hoffmann und Campe Verlag gestern mitteilte. Mit den Wawuschels hat Korschunow Ende der 60er Jahre Fabelwesen erschaffen, die sich nicht nur durch ihre grünen Haare hervortun, sondern auch wahnsinnig frech und liebenswert sind - eine unwiderstehliche Mischung.

Jedes Familienmitglied hat seine charakteristischen Eigenschaften und trägt auf diese Weise seinen Teil zum Fortgang der Abenteuergeschichten bei. Die Widersacher der Wawuschels sind das gefräßige „Mamoffel“-Monster, das die Marmelade stibitzen will, und die „Zazischels“. die nach ihrer eigentümlichen Sprechweise benannt sind.

Die Wawuschels bereicherten als Filmversion auch die Westausgabe des „Sandmännchens“, gedreht wurde unter anderem im Berliner Grunewald und im Glienicker Volkspark. Die Reihe machte sie zu einer der erfolgreichsten deutschen Kinderbuchautorinnen.

Weitere Kinderbuchtitel der Autorin lauten „Der Findefuchs“ (1982) und „Kleiner Pelz“ (1984). In „Wenn ein Unugunu kommt“ (1976) forderte sie ihre jungen Lesern eindrücklich auf, hinter die Fassade zu schauen und Vorurteile in Frage zu stellen.

Denn das grüne, unförmige „Unugunu“, das sich bei einer Familie einnistet und stinkende Wolken absondert, erweist sich am Ende mitnichten als Monster, sondern als treuer Freund.

Korschunow wurde als Tochter einer deutschen Mutter und eines russischen Vaters in Stendal geboren.

Im Nazi-Deutschland wurde ihr das Studium verwehrt, erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs studierte sie Germanistik, Anglistik und Soziologie in Göttingen und München. Ihre Familiengeschichte verarbeitete Korschunow in dem autobiografisch gefärbten Roman „Glück hat seinen Preis“ (1983). In späten Jahren schrieb die Autorin nur noch für Erwachsene, zuletzt nach sechsjähriger Schaffenspause den Roman „Langsamer Abschied“ (2009). Darin geht es um ein Ehepaar, das sich zunehmend voneinander entfremdet.

von Nina May

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