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Marburg Was Kinder und Jugendliche verkraften
Marburg Was Kinder und Jugendliche verkraften
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16:24 22.05.2012
Birgit Goehlnich (kleines Bild) diskutierte im Cineplex mit Jugendlichen und Erwachsenen über Altersfreigaben für Filme.Foto: Nadja Schwarzwäller
Marburg

Aus Nordamerika ist „Panem“ geworden, ein Land unter der Herrschaft eines totalitären Regimes. Als eine Art postmoderne Gladiatorenkämpfe werden in jedem Jahr 2 Jugendliche aus jedem der 12 Distrikte in einen Kampf auf Leben und Tod geschickt.

Die 16-jährige Katniss meldet sich freiwillig zu diesen so genannten „Hungerspielen“, um ihre jüngere Schwester zu schützen, die ausgelost wurde. Die Umsetzung der Romanvorlage „Die Tribute von Panem“ läuft seit März in den deutschen Kinos - mit einer Altersfreigabe ab 12 Jahren.

Um diese konkrete Freigabe und das grundsätzliche Procedere der Arbeit der „Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft“ (FSK) zu diskutieren, war am Dienstag Birgit Goehlnich, ständige Vertreterin der Obersten Landesjugendbehörde bei der FSK zu Gast im Marburger Cineplex.

Was Jugendliche und Kinder an Bildern verkraften können und was nicht - diese Frage beschäftigt die FSK täglich. Filme werden geprüft und dann entweder ohne Altersbeschränkung, ab 6, ab 12, ab 16 oder erst ab 18 Jahren freigegeben. Grundlage ist das Jugendschutzgesetz. „Wir geben keine pädagogischen Empfehlungen“, betont Birgit Goehlnich. Gut 40 Kinobesucher blieben im Anschluss an den Film zu einem Gespräch über die Wirkung von Medien, bei dem die Altersfreigabe ab 12 oder 16 Jahren kontrovers diskutiert wurde - ebenso wie auch unter den Experten der FSK, sagte Birgit Goehlnich.

„Die Einstufung ab 16 wäre zu hoch, die 12-Jährigen von heute sind ganz andere Sachen gewohnt“, lautete eine Meinung aus dem Publikum. „Auf jeden Fall ab 16 - es gibt keine Moral und die Grundthematik ist nur Tod und umbringen“, lautete hingegen eine andere.

Während in einer Gruppe von Medienstudenten die Mehrheit zu einer höheren Altersfreigabe tendierte, sprachen sich einige Schüler einer achten Klasse eher für die von der FSK getroffene Entscheidung aus.

Die 14-Jährigen hatten sich in einem Radiobeitrag mit dem Film und der Problematik der Altersfreigabe beschäftigt und dabei ein Thema angesprochen, zu dem auch Birgit Goehlnich Stellung nahm: der Einführung von zusätzlichen Altersstufen.

Eine Freigabe ab 14 sei für diesen und für viele andere Filme sinnvoll, argumentierten viele Teilnehmer. Goehlnich erklärte, sie würde diese Einstufung ebenfalls favorisieren. Die gesetzlichen Grenzen würden allerdings vom Gesetzgeber gemacht, erläuterte sie.

Die entscheidende Frage bei der Bewertung eines Films sei, ob Kinder oder Jugendliche dadurch eine bleibende Beeinträchtigung erfahren. Bei den „Tributen von Panem“ sei man mehrheitlich zu dem Schluss gekommen, dass die Geschehnisse zwar „komplex, herausfordernd und belastend“ seien, aber eben nicht im Sinne einer Beeinträchtigung.

Gewalt werde nie verherrlichend gezeigt, sondern der Film rücke die kritische Aussage sowie humanistische Werte wie Mitgefühl in den Vordergrund, „sodass eine sozialethische Desorientierung bei ab 12-Jährigen ausgeschlossen werden kann“, heißt es in der Begründung.

von Nadja Schwarzwäller

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