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Marburg Was Carl Orff mit Liebe zu tun hat
Marburg Was Carl Orff mit Liebe zu tun hat
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19:24 03.10.2010
Das sind „füenf“: Gar nicht unauffällig in knalliges Rot gewandet verzauberte die A-cappella-Gruppe die Marburger. Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Fast hätte es nicht geklappt mit dem 15-Jahre-Jubiläumsprogramm der A-cappella-Formation „füenf“, das rund 250 Besucher in die Stadthalle gelockt hatte. Denn nach der furiosen Ankündigung vom Band – ganz im Stil der großen Samstagabend-Shows – stand dem ungetrübten Hörgenuss erst einmal ein nicht funktionierendes Mikrofon entgegen.

Ausgerechnet der Bass war nicht zu hören und auch das zweite, eilig organisierte Mikrofon funktionierte einfach nicht. Die „füenf“ machten aus der Not eine Tugend und kalauerten herum, bis endlich auch Bassist Francesco Cagnetta ein adäquates Arbeitsgerät in den Händen hielt. Neben großartigem Gesang spielten in dem großartigen Konzert auch Theater und Pantomime wichtige Rollen. Dass die „füenf“ ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen müssen, wissen sie. Und das erklärt vielleicht auch die Kleiderwahl: Wer ausschließlich rote Hosen, Hemden, Schuhe trägt, will sich nicht verstecken. Auch die Texte der „füenf“ sind nicht unauffällig, sondern oft frech, aufmüpfig und böse – etwa bei der Hymne, die sie sämtlichen Superstar-Gewinnern widmeten. „Wir können eins vor allen Dingen, nämlich überhaupt nicht singen“, lautete die Botschaft an all jene, die sich Bohlen & Co. alljährlich aussetzen, um unmittelbar danach wieder in Vergessenheit zu geraten.

Dass auch den Fünfen am Erfolg gelegen ist, zeigte die Überlegung: „Wir haben nachgedacht, warum so viele englische Lieder so erfolgreich sind. Und die Antwort liegt in dem Wort ‚Love‘!“ erklärte Pat-rick Bopp. Deshalb, so der Bariton, hätten sie überlegt, was im Deutschen so ähnlich klinge, und sich diesen Begriff einfach zunutze gemacht. Dass Tenor Christian Langner schon mit dem Tamburin wedelte, lieferte einen ersten Hinweis auf das geheimnisvolle Wort, und dann kam die Erklärung: „I wanna feel what Orff is“ war der Anfang eines stimmgewaltigen Medleys populärer Liebeslieder. Die Tina-Turner-Persiflage von Patrick Bopp bei „What’s Orff got to do with it“ erntete tosenden Applaus. Der Spaß, den die „füenf“ haben, übertrug sich aufs Publikum, das bereitwillig mitsang- und -pfiff, wenn es gefordert wurde. Mit dem gekonnten Mix wanderten sie quer durch alle musikalischen Genres, ohne dabei beliebig zu wirken. Denn jedes Lied hatte den ganz eigenen „füenf“-Stil, der sich durch originelle Texte, viel Selbstironie und erstklassige Stimmen auszeichnet.

von Ines Dietrich