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Marburg Bauplan wäre „Katastrophe für Vögel“
Marburg Bauplan wäre „Katastrophe für Vögel“
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00:17 04.10.2018
Der städtische Vogelschutzbeauftragte Professor Martin Kraft warnt vor der Entstehung eines Wohngebiets am Hasenkopf: „Das ­unterbricht ökologische Prozesse“, sagt er mit Verweis auf das Gebiet als Ruhe- und Raststätte für Tausende Vögel. Quelle: Björn Wisker
Marburg

„Das Vorhaben, überhaupt die Idee, am Hasen­kopf ein Wohngebiet hochzuziehen, ist eine Katastrophe“, sagt Professor Martin Kraft. Der Vogelschutzbeauftragte der Stadt Marburg beobachtet im Stadtwald seit Jahrzehnten ­Vögel – und findet die prinzipielle­ ­Zustimmung des Ortsbeirats­ Ockershausen „ganz ganz schlimm“.

Ornithologe Kraft hat Aufzeichnungen, wonach die Bergkuppe jährlich von Tausenden Vögeln – darunter seltene wie Kornweihen, Wespenbussarde, Heiden- und Feldlerchen – besucht wird. „Der Boden ist oft übersäht von verschiedenen Arten. In den Bäumen ruhen viele und essen Obst. Das erkennt jeder Laie, jeder Spaziergänger.“ Der

Heilige Grund sei für viele ­Arten ein zentraler Rastplatz, der ­Marburger Rücken samt Hasen­kopf und ­Rotenberg, generell das Gebiet zwischen Wehrshausen und Stadtwald sei Futterplatz, Revier für die Nahrungssuche Abertausender ­Vögel. Unter den regelmäßigen Nahrungssuchern, so heißt es von Naturschützern des BUND auch der Rotmilan – jener Greifvogel, dessen Existenz vor wenigen Jahren maßgeblich für den Stopp der Windradpläne nahe­ Moischt war. „Da drüben“, sagt Kraft und zeigt auf die gegenüberliegende Lahnbergeseite, „wollte man Wald roden, natürlichen Lebensraum vernichten und Windräder hinstellen.

"Unzählige Störfaktoren"

Das ist an Rotmilan-Horsten, am Natur- und Artenschutz gescheitert. Und jetzt will man hier, ein bisschen Luftliniendistanz entfernt, Häuser hinstellen? Das darf nicht passieren, es ist die Wiederholung eines Fehlers“, sagt Kraft, der auch mit an der Spitze der Windräder-Kritiker am „Lichter Küppel“ war.

Die Naturschützer des BUND sehen das mit Blick Hasenkopf und Rotenberg ähnlich: „Es ­wäre in hohem Maße unredlich zum Schutz des Rotmilans den Bau von Windrädern zu unterlassen, gleichzeitig dem Milan aber eine wesentliche Nahrungsgrundlage zu entziehen“, heißt es in einer Stellungnahme. Auch das Marbach-Gebiet sei zudem als Nahrungsgebiet für gefährdete Vögel wie Mehlschwalbe, Rauchschwalbe und Mauersegler bedeutsam. In den vergangenen Monaten verwiesen auch die Mitglieder der Bürgerinitiative „Marbacher Nachbarn“ regelmäßig auf die Bedrohung von Tierarten, die rund um den Dammelsberg, zwischen Köhlersgrund und Wehrshausen wandern würden.

„Die Entstehung eines Wohngebiets unterbricht die ökologischen Prozesse“, sagt Kraft mit Blick auf den Hasenkopf. Er spricht von „unzähligen Störfaktoren“ für das Naherholungsgebiet zwischen Heiliger Grund und Kleiner Lummersbach. Es ist ein Gebiet, dessen Ausweisung als ­Naturschutz-, wenigstens Vogelschutzgebiet das Institut für Ornithologie und Ökologie seit langem vorbereitet. Nach umfassender Datensammlung sei ein Antrag beim Regierungspräsidium Gießen bereits „in Vorbereitung“, sagt Kraft.

Entsprechende Naturschutzgutachten, die Gefahrenlagen für Vögel und andere Tiere bewerten, kündigte die Stadtspitze im Zuge eines offiziellen Bebauungsplan-Verfahrens – je nach Priorisierung der Gebiete – in ein bis zwei Jahren an.

von Björn Wisker

Ausstellung zu Bauherrenpreis kommt nach Marburg

Vorbildlicher Wohnungsbau zum Anschauen: Am Freitag,

5. Oktober, um 19 Uhr wird in der Stadthalle die Ausstellung zum „Deutschen Bauherrenpreis 2018“ eröffnet. Unter dem Motto „Hohe Qualität zu tragbaren Kosten“ sind Projekte, auch Sozialwohnungsprojekte, in mehr als zwei Dutzend Städten ausgezeichnet worden, die beide Anforderungen herausragend erfüllen. Das teilte der Veranstalter, die Gewobau mit.

Bis zum 18. Oktober können Interessenten demnach die Ausstellung, auf der viele Fotos und Schautafeln zu sehen sind, besichtigen.
Am Eröffnungsabend ab

19 Uhr wird es einen Vortrag des Architekten Hans-Joachim Ewert des Projekts „Living Streets“ geben.