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Marburg Unternehmer brauchen einen „Notfallkoffer“
Marburg Unternehmer brauchen einen „Notfallkoffer“
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10:10 23.03.2018
Auch sie warben während des IHK-Jahresempfangs #GemeinsamFürDieRegion (von links): 
Lydia Weber (Jochen Herbert Weber Versicherungsmakler), Anja Hartmann-Range (Unternehmerinnen-Forum Nordhessen) sowie Franziska Wagner (Leiterin Lesermarkt der Oberhessischen Presse) und HITZEROTH-Geschäftsführerin Ileri Meier. Quelle: Jörg Lantelmé
Kassel

Professor Brun-Hagen Hennerkes schilderte im Südflügel des Kasseler Kulturbahnhofs, welche Erfolgsfaktoren und Hindernisse für eine erfolgreiche Unternehmensübergabe eine Rolle spielen. Im Altkreis Marburg stehen in den nächsten Jahren mehr als 270 Unternehmen zur Nachfolge an – im gesamten IHK-Bezirk sind es fast 2260. Der Löwenanteil entfällt auf die Branchen Groß- und Einzelhandel, gefolgt vom Maschinenbau sowie den Produzenten von Metallerzeugnissen.

Erfahrungsgemäß bleibt Unternehmern aufgrund der Vielzahl der täglichen Aufgaben und Pflichten zu wenig Zeit, die eigene Nachfolge zu regeln. Manchmal wird dieser Schritt auch auf die lange Bank geschoben – oder verdrängt.

„Bedingt durch die demografische Entwicklung treffen auf immer mehr Firmen, die einen Nachfolger suchen, immer weniger Kandidaten, die sich für eine Nachfolge interessieren“, gab IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan zu bedenken. „Sich zu spät mit der Nachfolge zu beschäftigen, kann das unternehmerische Lebenswerk gefährden.“ Das Thema brenne vielen Unternehmern auf den Nägeln.

„Es bringt wenig, andere Konzepte zu kopieren“

Ein Pauschalrezept für eine erfolgreiche Betriebsübergabe gebe es nicht, ergänzte Hennerkes, Gründer der Stiftung Familienunternehmen. „Unternehmer sollten eine Regelung aus ihrer eigenen Ziel- und Wertevorstellung entwickeln. Es bringt wenig, andere Konzepte zu kopieren.“

Manche Nachfolge scheitere daran, dass sie ausschließlich das Verhältnis zwischen Senior-Chef und Nachfolger im Auge habe – obwohl sie die gesamte Unternehmensorganisation betreffe. „Neben und unter dem Chef gibt es eine Vielzahl von Führungspersönlichkeiten – das darf nicht vernachlässigt werden“, erklärte der Fachmann. Aus mehr als 30 Jahren Erfahrung im juristischen Notfalldienst legte er den Gästen des Jahresempfangs ans Herz: „Jedes Familienunternehmen benötigt einen Notfallkoffer, um Schicksalsschläge wie schwere Krankheiten oder unerwartete Todesfälle bewältigen zu können.“

Ein solcher müsse wie ein medizinischer Notfallkoffer schnell auffindbar sein sowie eindeutige und klare Regelungen und Handlungsanweisungen enthalten. Außerdem müsse klar sein, welche Person die Planung im Fall der Fälle umsetzt. Es sei empfehlenswert, die Nachfolgeregelung zum Bestandteil der Firmenstrategie zu machen, ergänzte Jörg Ludwig Jordan.

„Der Nachfolger gehört in die erste Reihe“

Gemeinsam mit seinem Vater Horst Dieter Jordan hat er die Übergabe im Kasseler Familienunternehmens W. & L. Jordan GmbH frühzeitig geplant. „Senior-Chefs sollten einem Nachfolger Anreize geben, sich mit dem Unternehmen und seiner Aufgabe voll zu identifizieren“, sagte Jordan. Dazu gehöre, nicht alles besser zu wissen: „Auch Ratschläge sind Schläge.“

Verantwortungsbereiche müssten klar abgegrenzt sein und schrittweise ausgebaut werden. „Der Nachfolger gehört in die erste Reihe“, hielt Jordan fest. „Sich selbst sollte man zurücknehmen.“

In einer kurzen Video-Botschaft lobte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die gute wirtschaftliche Entwicklung in Nordhessen und dem Altkreis Marburg. Ferner gab er ein klares Bekenntnis zum Kassel Airport ab.

IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan skizzierte in seiner Rede überdies die Folgen US-amerikanischer Strafzölle, von Dieselfahrverboten und der Koalitionsvereinbarungen der Bundesregierung für die Region. „Im Schulterschluss mit der ganzen IHK-Organisation werden wir uns intensiv für die Interessen der Wirtschaft einsetzen“, bekräftigte er.