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Wachs in den Ohren gegen die Cholera

Promi-Führung Wachs in den Ohren gegen die Cholera

Wenn die Marburger vorab gewusst hätten, welches Bild Bürgermeister Dr. Franz Kahle besonders liebt, sie wären sicher in Scharen gekommen: Der „Spitzweg“ stand diesmal im Blickpunkt der Promi-Führung.

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Ein Ausschnitt aus Spitzwegs „Der arme Poet“. Das Gemälde befindet sich im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg.

Marburg. Mehr als 30 Gäste lauschten den Ausführungen des Marburger Bürgermeisters zu dem Münchner Maler. Als Kahle zum Studium nach Marburg kam, kannte er sich wenig aus. „Oh, ein Spitzweg“, habe er sich bei seinem ersten Besuch im Museum gedacht und sich über den bekannten Malernamen gefreut. Allerdings: „98 Prozent der Deutschen kennen die ’Mona Lisa’, 95 den ’Armen Poeten’ von Carl Spitzweg“, berichtete Kahle. Auf seinen Vortrag hatte er sich ausgezeichnet vorbereitet:Carl Spitzweg (1808 – 1885) malte kuriose Alltagssituationen, und allerlei Kurioses hatte auch Kahle über den Maler und dessen Leben zu erzählen: Spitzweg hat nie eine Kunstschule besucht, sondern wurde – entsprechend dem Willen seines Vaters – Apotheker. Als der Vater starb, erbte Spitzweg so viel Geld, dass er fortan als Maler leben konnte. Er war überdies Hypochonder mit einer großen Angst vor der Cholera, die damals vor allem in den Großstädten grassierte. Als gelernter Apotheker stellte er allerlei Theorien auf, vermutete Dünste aus der Erde als Ursache und gab Freunden Ratschläge: Sie sollten sich in Gummi einpacken, mit einem gewärmten Ziegelstein auf der Brust herumlaufen, sich warmes Wachs in die Ohren stecken und – diesmal lag er intuitiv richtig – nur sauberes Wasser trinken. Spitzweg flüchtete oft vor der Cholera und reiste oft, auch in der Schweiz und nach Österreich.

von Christine Krauskopf

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Printausgabe der OP.

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