Volltextsuche über das Angebot:

30 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Vorhang auf - im Autohaus?

Theater während des Stadthallenumbaus Vorhang auf - im Autohaus?

Der Stadthallenumbau rückt unaufhaltsam näher. Seit Monaten sucht das Hessische Landestheater verzweifelt nach Ausweichquartieren. Nach vielen Pleiten scheint nun eine Lösung in Sicht.

Marburg. Können Intendant Matthias Faltz und sein Team vom Hessischen Landestheater Marburg aufatmen? Nach einer bislang immer vergeblichen Suche nach einem Ausweichquartier für die Zeit des Stadthallenumbaus scheinen jetzt Lösungen in greifbarer Nähe.

Faltz hat Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) seine Vorschläge unterbreitet: Demnach würde das Landestheater die Lutherische Pfarrkirche für eine Klassiker-Inszenierung nutzen, würde Produktionen vom Theater am Schwanhof in die Galeria Classica verlagern und das große Familienstück zu Weihnachten im Theater am Schwanhof anbieten. Die Theaterkasse wird während der Umbauzeit in die Mobilitätszentrale am Rudolphsplatz verlegt.

Vaupel begrüßte im Gespräch mit der OP die Pläne ausdrücklich, betonte aber auch, sie seien „noch mit einer gewissen Vorsicht zu behandeln“.

Pfarrer Ulrich Biskamp von der Pfarrkirche sagte, er persönlich befürworte die Idee, in der Kirche Theater anzubieten. Er könne sich sogar eine größere Vernetzung mit dem Theater vorstellen. Die endgültige Entscheidung trifft kommende Woche der Kirchenvorstand.

Auch mit Karsten Schreyer, Geschäftsführer des Unternehmens S & S Grundbesitz und Inhaber der Galeria Classica, sind noch „Detailfragen zu klären“, so Vaupel. Karsten Schreyer war gestern nicht zu sprechen - er befindet sich in Urlaub.

Sollte das Theater tatsächlich wie gewünscht für zwei Spielzeiten in das ehemalige Autohaus in der Schwanallee ziehen, sind neben einer Miete auch Investitionen nötig. Faltz bezifferte sie auf rund 200000 Euro etwa für Technik. Diese Investitionen seien allerdings nicht verloren, ergänzte Vaupel. Es handele sich um Anschaffungen, die das Theater weiter nutzen könne, unter anderem in der runderneuerten Stadthalle.

Für das Landestheater drängt die Zeit

Mitte Oktober findet die Theatermesse Inthega statt, bei der Gastspiele gebucht werden. „Für uns ist diese Messe sehr wichtig, wir müssen bis dahin wissen, was wir anbieten können“, betont Faltz. Die Zeit drängt also.

Für Faltz sind die Galeria Classica und die Lutherische Pfarrkirche nach vielen vergeblichen Anläufen die letze Chance, in Ausweichspielorte zu finden. Das Theater hatte zuvor bei der Waldorfschule angefragt, die allerdings in der Vorweihnachtszeit nicht komplett auf ihre Aula verzichten kann und will. Die Bürgerhäuser seien ungeeignet, so Faltz. Ein Theaterzelt wurde wegen hoher Kosten abgelehnt. Und die avisierte ehemalige Panzerwaschanlage im Stadtwald, für die das Theaterteam bereits Pläne gemacht hatte, entpuppte sich nach einem Ortstermin als Schlag ins Wasser: Sie dient der Stadt als Lager. Auch das Audimax ist zur Spielzeiteröffnung nicht frei.

Offen ist auch noch die Zukunft des großen Kostüm- und Requisitenfundus sowie der Schneiderei. Sie alle befinden sich in der Stadthalle und müssen nach Auskunft von Faltz im Mai geräumt werden. „Ich will Entscheidungen“, sagte Vaupel der OP. Für Schneiderei und Fundus sehe er „überhaupt kein Problem, da werden wir schnell Lösungen finden“.Das lange Zögern vonseiten der Stadt gegenüber dem wichtigsten Kulturträger begründete er auch mit der langen Debatte über die Sanierung der Stadthalle.

Für die liegen, so Vaupel, inzwischen konkrete Zahlen vor. Laut einer qualifizierten Kostenberechnung soll der Umbau 23,24 Millionen Euro netto kosten. Der Umbau sei damit deutlich billiger als ein Neubau, so Vaupel. Der würde 36,2 Millionen Euro netto kosten - Basis ist eine qualifizierte Kostenschätzung. Vaupel will dem Stadtparlament die Zahlen im November vorstellen. Baubeginn ist im Sommer kommenden Jahres.Die Halle soll zur Spielzeiteröffnung 2015/16 fertig sein.

Kann sich Vaupel vorstellen, wie von 1997 bis 2005 auch das Kulturdezernat zu leiten? Vaupel hält sich bedeckt: Über die künftige Aufgabenverteilung werde erst gesprochen, wenn Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach im November aus dem Erziehungsurlaub zurückkehre.

von Uwe Badouin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg