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Vor allem sind wir Menschen

Theater Vor allem sind wir Menschen

Mit einem großen Lehrstück, das durchaus nicht belehrend daherkommt, tourt das Hessische Landestheater in den kommenden Wochen durch die Schulen im Raum Marburg. Die Premiere von "Nathans Kinder" fand am Donnerstagabend in der Elisabethschule statt.

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Eine Szene aus "Nathans Kinder", der neuen Klassenzimmerproduktion des Hessischen Landestheaters.

Quelle: Archivfoto

Marburg . Weit mehr als eine pure "Klassenzimmerproduktion" ist Uta Eisolds Inszenierung des ursprünglichen Lessing-Stoffs, den Ulrich Hub für ein junges Publikum ab 14 Jahren bearbeitet hat. Hubs Textfassung reduziert das Schauspiel konsequent auf den religionsphilosophischen Problemkern und öffnet darüber hinaus mit einer anrührenden Liebesgeschichte die Sinne heranwachsender Zuschauerinnen und Zuschauer.
Fast hätte der Sultan den jungen Kreuzritter Kurt um einen Kopf kürzer gemacht, doch aus irgendeinem Grund lässt er Gnade walten. Der heilige Krieger rettet die junge Recha vor den Flammen, doch die beiden jungen Menschen, die eben erst dem Tod von der Schippe gesprungen sind, spüren, dass nicht sein kann, was nicht sein darf: Er ist Christ, sie aus jüdischem Haus - verbotene Liebe in Jerusalem!
Stefan Piskorz spielt den Ritter von der traurigen Gestalt, der längst daran zweifelt, dass es richtig ist, religiöse Ressentiments mit Schwerthieben zu untermauern. Recha - nun ja, sie ist einfach bis über beide Ohren verliebt in ihren Schutzengel, und um Kurt näherzukommen, muss sie lediglich den Worten ihres Vaters Nathan folgen: Christ, Jude, Muselman - vor allem sind wir Menschen.

Eine gewohnt gewitzt bis besserwisserisch aufspielende Anne Margarete Greis verzichtet in dieser neuerlichen Teenage-Tochterrolle auf jegliche Albereien, und auch Piskorz bremst die komödiantischen Elemente so weit herunter, dass dem Ernst der Thematik Rechnung getragen wird, ohne das Lachen in den Keller zu schicken. So weit die jungen Liebenden. Deren Elterngeneration übt sich derweil in Borniertheit und Intoleranz, in Herrendenken und materiellem Egoismus.
Regisseurin Uta Eisold hat es verstanden, die Schultheaterproduktion so einzurichten, dass es kaum möglich ist, sich dem Geschehen zu entziehen: Um die kreisförmig eingerichtete Bühne sind die Zuschauer gruppiert, doch nicht nur dort agiert das Ensemble. Vielmehr umrunden die Schauspieler immer wieder ihr Publikum.

von Carsten Beckmann

Die komplette Rezension lesen Sie in der Samstagsausgabe der OP.

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