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Von toter und lebendiger Poesie

Poetry-Slam Von toter und lebendiger Poesie

Klassische oder moderne Dichter - wer kommt heute besser an? Im Landestheater Marburg wurde die Schlacht ausgetragen.

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Peter Meyer alias Christian „Benito, Silvio, Thilo“ Morgenstern ging für die toten Dichter an den Start.

Quelle: Viola Verena Schrader

Marburg. „Deutsche Qualitätspoesie“ war das, was die beiden Moderatoren und Poetry-Slammer, Lars Ruppel und Bo Wimmers, ihrem Publikum zu Beginn versprachen. „Dead or Alive?“ war gut besucht, der Saal nahezu vollbesetzt. Für gute Stimmung sorgte DJ Jo, der vor der Vorstellung und während der Pause mit sehr tanzbarem, housigem Sound die Zuschauer bei Laune hielt.

Ruppel und Wimmers stellten zunächst die Teams vor: Für die toten Dichter traten Kurt Tucholsky, Christian Morgenstern, The Mystery Poet, und Sophie Scholl an. Für die quicklebendigen Poeten der Gegenwart gingen Mischa-Sarim Verollet, Sulaiman Masomi, Theresa Hahl, sowie Moritz Kienemann und Franziska Holzheimer ins Rennen. Alle Teilnehmer traten zunächst einzeln auf. Eine Publikumsjury aus fünf Zuschauern bewertete die Darbietungen. Am Ende traten die Besten beider Parteien gegeneinander an. Dem Gewinner winkte ein Kürbis.

Die Neu-Marburgerin Theresa Hahl eröffnete den Abend mit ihrem „Text der davon handelt, wie sich die Welt wenn wir wachsen verwandelt“. Sie setzte sich reimend mit der Frage auseinander: „Wann hab ich verlernt wie man den Atem verliert, wann hab ich gelernt, wie die Welt funktioniert?“

Die anschließende Darbietung Moritz Kienemanns kam wütend daher. Er widmete sein Werk „Nichts“ allen Pärchen und Verlassenen. Mit Versen wie „Meine Turnschuhsohlen sind mir schon ganz angebrannt, solang bin ich dir hinterher gerannt“ ließ er ausdrucks- und lautstark seinem Frust über Beziehungen, bei welchen einer auf der Strecke bleibt, freien Lauf.

Den Abschluss des Abends bildete Dominique Macri als Sophie Scholl. Macri las mitreißend aus den Briefen der Widerstandskämpferin. Der Sprung zwischen Komik (Verollet) und Tragik (Macri) war jedoch enorm.

Nachdem Verollet, Masomi und Morgenstern als die Höchstplatzierten ermittelt wurden, traten diese noch einmal gegeneinander an. Masomi trug mit seiner sehr amüsanten Geschichte „Ü30“ endgültig den Sieg davon. Am Ende triumphierten in der Gesamtwertung die lebenden über die toten Dichter.

von Viola Verena Schrader

Mehr lesen Sie am Freitag in der Printausgabe der OP.

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