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Marburg Von der hohen Kunst im Hochformat
Marburg Von der hohen Kunst im Hochformat
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17:35 14.08.2011
Mehr als 400 Gäste kamen am Samstag zur Eröffnung der achten Kunsttage des Landkreises, die unter dem Motto „Hochform.art“ stehen. Es gab Hochformate aller Art in der „Galeria Classica“ zu sehen. Quelle: Nadja Schwarzwäller
Marburg

94 Künstler aus dem Landkreis, ein ehemaliges Autohaus als zeitweilige Galerie und ein Motto, das sowohl inhaltlich wie auch das Format der Arbeiten betreffend von den Beteiligten gewissermaßen „hohe Kunst“ fordert – das ergibt zusammen die inzwischen achte Auflage der „Kunsttage“ des Landkreises. „Hochform.art“ hatte das Organisationsteam, das aus Künstlern sowie Vertretern des städtischen Fachdienstes Kultur und der Kreisverwaltung besteht, zum Motto erkoren.

Passend dazu hielt Landrat Robert Fischbach seine Eröffnungsrede an einem großen, hochformatigen Reisekoffer. „Hochform bedeutet, sich in einer Topverfassung zu befinden, obenauf zu sein“, sagte Fischbach. Das Motto sei mit einer gewissen Euphorie und Begeisterung verbunden. Zu diesem Thema zitierte er die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach: „Begeisterung spricht nicht immer für den, der sie erweckt, aber immer für den, der sie empfindet“. In diesem Sinne wünschte er sowohl den Beteiligten wie auch den Besuchern der Kunsttage große Begeisterung. Die kam bei der Vernissage am Samstag allein schon durch die Stimmung in der Ausstellung auf: Mehr als 400 Gäste hatten sich zur Eröffnung in der „Galeria Classica“ in der Schwanallee versammelt, und Pawel Nowak aus Koscierzyna, dem polnischen Partnerkreis des Landkreises Marburg-Biedenkopf, sorgte mit seinem Akkordeon für einen hochklassigen musikalischen Auftakt. Mit der „Galeria Classica“ haben die Organisatoren erneut eine ganz besondere „Galerie auf Zeit“ für die „Kunsttage“ gefunden: nach den alten Werkshallen der früheren Firma Usbeck und Söhne 2007 oder dem alten Güterbahnhof 2009 nun also ein ehemaliges Autohaus. Robert Fischbach dankte der Firma S&S Immobilien, die die Räumlichkeiten für die Dauer der Ausstellung zur Verfügung stellt. Die Zukunft der Liegenschaft sei noch unklar, aber man sei für kreative Nutzungsvorschläge offen, sagte Fischbach. Stellvertretend für die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler – von denen während der kommenden zwei Wochen immer jemand in der Ausstellung als Ansprechpartner zugegen sein wird – hieß Bernd Brust die Kunstinteressierten am Samstag willkommen.

Er ermunterte alle zu einem persönlichen „Kopfkino“ – jeder habe bei einem solchen Motto eine andere Vorstellung, was sich dahinter verbirgt, so Brust. Die jüngste Teilnehmerin sei gerade einmal neun Jahre und auch einige der Älteren stellen zum ersten Mal aus. Zu ihnen gehört auch die 26-jährige Sarah Rudziok. Ihre beiden hochformatigen Beiträge tragen die Titel „Legends“ und „La Bailadora“ und sind Acrylgemälde. Zu „La Bailadora“ (die Tänzerin) habe sie ein Urlaub im spanischen Valencia inspiriert, erklärt Sarah Rudziok, die als Einzelhandelskauffrau arbeitet und in Achenbach (Gemeinde Breidenbach) lebt.

Sie habe schon als Kind gemalt; mit den „Kunsttagen“ präsentiert sie sich aber erstmals einer Öffentlichkeit. Anita Badenhausen stellt hingegen bereits seit mehreren Jahren aus; sie gehört zur Ateliergemeinschaft „Cölber Mühle“. Das Motto der „Kunsttage“ hat sie zu drei Gemälden mit dem Titel „Energiegeladen“ inspiriert – wie gefordert im Hochformat. Dazu gehört natürlich die Verwendung der Farbe Rot, erläutert Anita Badenhausen. Neben Gemälden finden sich auch Fotografien (zum Beispiel ein „Vorstadthochhaus in St. Petersburg“ von Alfred Junker) oder Objekte (wie „Der Genießer“ von Lydia Beyer mit seinem Körper aus Teekannen oder ein Tütenturm mit dem Titel „Ich kauf die Welt! Nr. 2“ von Elke Csomor) in der Ausstellung. Holz und Kronkorken, Stoff und Leinwand, alles ist vertreten. Und das Organisationsteam hat mit einer ganz besonderen „Datensicherung“ ebenfalls seinen Beitrag zur Ausstellung geleistet.

Die „Kunsttage“ sind noch bis zum 28. August in der „Galeria Classica“ (Ecke Schwanallee / Frankfurter Straße) in Marburg zu besichtigen. Bis zum 27. August hat die Ausstellung täglich von 12 Uhr bis 20 Uhr geöffnet. Am 28. August findet um 16 Uhr eine Abschlussveranstaltung mit der Band „Softeis“ statt. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei.

von Nadja Schwarzwäller

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