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Von Menschen und bedrohten Landschaften

Ausstellung in GeWo-Galerie Von Menschen und bedrohten Landschaften

Sie durchziehen seine Bilder wie ein roter Faden: Landvermessungsstäbe. Ob als dezente Dekoration oder als dominanter Mittelpunkt - das rot-weiße Element fehlt in keinem der Bilder von Horst H. Geist. Der 1943 in Marburg geborene Künstler stellt derzeit bis zum 10. August in der Marburger GeWo-Galerie in einer Doppelausstellung mit Brigitte Probst aus.

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Horst H. Geist und Brigitte Probst stellen gemeinsam aus.
Foto: Daphne Flieger

Marburg. Brigitte Probst, die studierte Psychologin, malt seit fünf Jahren. Ihr thematischer Schwerpunkt sind, wie sie sagt, Menschen: „Dabei will ich auf keinen Fall eine Tiefendeutung der dargestellten Personen erzeugen.“ Unter dem Titel „Paare, Passanten, Einzelgänger“ sieht man ihren Blick auf unsere Gesellschaft. „Meine Freude besteht darin, die Menschen so abzubilden, wie sie heute leben.“

Probsts Bilder sind Momentaufnahmen, Schnappschüsse alltäglicher Situationen. Mit wenigen Strichen kann sie vielsagende Gesichtsausdrücke darstellen, die Kulisse bleibt dabei Nebensache. Ein paar Schauplätze erkennt man aber doch als Marburger Innenstadt wieder: Zwei Jugendliche lümmeln an einer Bushaltestelle, ein Gespräch in einem Café und immer wieder Menschen, die sich vertieft ihrem Smartphone widmen. Dabei arbeitet die Psychotherapeutin mit Pastellkreide, was ihr ihrer Meinung nach mehr liegt, als mit flüssigen Malmitteln umzugehen.

Gerade dieses Malmittel, macht im Unterschied zu Horst H. Geists Bilder aus - diese sind in Öl und Acryl gemalt. Der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Künstler vermischt realistische Landschaften mit surrealistischer Technik. Eine Symbiose, die er nicht nur in Bildern dieser Ausstellung anwendet.

„Die Domestizierung unserer idyllischen Natur ist das, was mich bei meiner Arbeit interessiert“, sagt er. Die rot-weißen Landvermessungsstäbe deuten dabei auf eine negative Veränderung, die unwiderruflich geschieht. Geist möchte nicht mit dem moralischen Zeigefinger winken, seine Bilder regen trotzdem zur Reflektion an.

„Restlaufzeit“ ist sein Titel dieser Ausstellung und der Name eines Gemäldes. Eine saftig-grüne Wiese wird durch einen Weg in Richtung der Berge am Horizont unterteilt. Wohin dieser Weg führt, ist nicht auszumachen. Links im Vordergrund sieht man eine Absperrung im typischen Rot-Weiß. Und über der sonst friedlichen Landschaft schwebt eine überdimensional-große Taschenuhr. Der Minutenzeiger steht ganz knapp vor der Zwölf und wird so zur Stoppuhr. „Wie mit unserer Natur umgegangen wird empfinde ich als unverantwortlich.“

Mit Brigitte Probst und Horst H. Geist sind in der GeWo-Galerie zwei Künstler mit zwei sehr unterschiedlichen Malweisen zu sehen, die unsere Gesellschaft aus zwei Blickwinkeln darstellen. Beide auf ihre Weise, beide sehr lohnenswert.

Die Ausstellung ist bis zum 10. August in der GeWo-Galerie im Parkhaus am Pilgrimstein zu sehen; geöffnet Montag bis Mittwoch 9 bis 16 Uhr, Donnerstag 9 bis 17 Uhr, Freitag 9 bis 12 Uhr.

von Daphne Flieger

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